AfD: Warum sie bei jungen Leuten aus dem Osten beliebt ist | Deutschland – aktuelle deutsche Politik. DW-Nachrichten auf Polnisch | DW

Gewiss hat die CDU die Wahl in Sachsen-Anhalt gewonnen. Es gelang ihm, für Deutschland einen Vorteil von 16% gegenüber Alternative zu erzielen. Eine genauere Analyse dieser Wahlergebnisse zeigt jedoch die größte Unterstützung der jüngsten Wähler für die AfD.

Die AfD ist die beliebteste bei den unter 30-Wählern. Jeder fünfte nach 1991 geborene Wähler kreuzt es an. Wieso den? Kerstin Voelkl, Politikwissenschaftlerin aus Halle, verfolgt das Versprechen der AfD an den Nachwuchs genau. Die AfD versuche sich bewusst als Partei zu präsentieren, die sich gezielt um die Lösung der Probleme dieser Generation bemühe.

AfD sucht junge Wähler

Die AfD ist die einzige Partei, die sich schwer tut, junge Wähler in Magdeburg zu lenken und zum ersten Mal Landtag einen persönlichen Brief abstimmt. – Ja, das tun wir und das bringt uns, wie man sieht, besondere Vorteile – sagt Jan Wenzel Schmidt von der AfD schmunzelnd. Er ist Vorsitzender der AfD-Jugendtochter „Junge Alternative“ mit rund 160 Mitgliedern. Sie nahmen aktiv am Wahlkampf in den Straßen Magdeburgs teil.

Schmidt vertritt die Ambitionen der jüngeren Generation der AfD-Mitglieder. Der 29-Jährige rechnet nach der Bundestagswahl im September in Deutschland mit dem Einzug in den Bundestag. Er freute sich über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Er glaubt, dass die junge Generation Deutschlands inmitten der Coronavirus-Krise über die Politik der Regierung verärgert ist. Viele von ihnen glauben, dass ihnen das Coronavirus aufgrund ihres Alters nichts anhaben kann.

Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt

Das Angebot für junge Leute wird erweitert

Das Coronavirus ist jedoch nicht das einzige Thema, das junge Wähler in Sachsen-Anhalt beschäftigt. Es gab ein weiteres Problem, das für ihn bestehen blieb. Eine solche Infrastruktur fehlt in vielen Teilen des Landes, insbesondere im Nahverkehr, und eine unzureichende soziale Infrastruktur, nämlich das Fehlen einer ausreichenden Anzahl von Jugendclubs, die in der ehemaligen DDR ein wichtiger Bestandteil der Jugendkultur waren.

„Insgesamt fühlt sich die junge Generation in Sachsen-Anhalt möglicherweise benachteiligt, weil viele Investitionen hier nicht ihren Bedürfnissen entsprechen“, sagte Jan Wenzel Schmidt. – Ich kann es an meinem Beispiel bestätigen: Als ich in den 90er Jahren in Magdeburg aufgewachsen bin, gab es hier viele Jugendclubs. Sie wurden auch in ländlichen Gebieten gesehen, aber alle wurden später geschlossen – fügte er hinzu.

Junge Leute sind enttäuscht

Johannes Walter vom Kinder- und Jugendkreis Sachsen-Anhalt, einem Dachverband der Jugendarbeit, ist zwar ein politischer Gegner der AfD, stimmt aber in diesem Punkt voll und ganz mit dem Chef von „Junge Alternativen“ überein: „Die Förderung der lokalen Jugendarbeit bleibt bestehen in Sachsen-Anhalt wurde 2014 stark eingeschränkt und hat sich seitdem nicht nennenswert gesteigert. Gleichzeitig sind Löhne und Betriebskosten gestiegen und wir haben immer weniger Jugendvereine“, sagte er.

Politischen Beobachtern zufolge spiegelt sich die Enttäuschung der jungen Wähler in den Wahlergebnissen wider. – Der Wahlkampf der AfD wurde bewusst dafür adaptiert – behauptet David Begrich von der antirassistischen Bewegung „Miteinander“: „Es gibt ein AfD-Wahlplakat mit einem roten Pfeil, der auf das Plakat einer anderen Partei mit der Aufschrift ‚Du‘ zeigt“ haben 30 Jahre Zeit für all das.“ Dies sei kein echtes politisches Programm, sondern spiele mit den Emotionen der Wähler – behauptet er.

Beliebte AfD in der ehemaligen DDR

„Du hast 30 Jahre Zeit, das alles zu tun“ – AfD-Slogan bei Wahlen in Sachsen-Anhalt

Die Generation, die sich selbst sucht

Enttäuschung und Enttäuschung kamen auf. Und das ist in, wenn Sie nichts zu tun haben, sich kein eigenes Auto leisten können und Busse hier nur zweimal am Tag verkehren. Auf der anderen Seite gibt es in Westdeutschland auch viele junge und frustrierte Menschen, warum haben sie dort die AfD so viel weniger gewählt? David Begrich, der deutschlandweit Jugendworkshops organisiert, sagt dazu: „Die Jugendlichen aus dem Westen des Landes sind meiner Meinung nach viel offener, dialogbereiter und selbstbewusster im Umgang mit Ausländern.“

Er glaubt, dass Deutschland auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch ein starkes DDR-Bewusstsein im Osten hat, mit dem sich viele junge Menschen identifizieren. Besonders deutlich wird dies bei denjenigen, die im Westen des Landes studieren oder eine Ausbildung machen und dann in den Osten zurückkehren.

– Bei unseren Aktivitäten begegnen wir oft jungen Erwachsenen, die ernsthaft auf der Suche nach sich selbst sind. Wir hätten in den letzten Jahren mehr denn je gesehen, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend mit ihrer ostdeutschen Abstammung identifizieren, erklärte er. Das kann David Begrich mit seiner Tochter beweisen: „Er ist 18 Jahre alt und beteuert, wenn er mit seinen Freunden in der Bundesrepublik konfrontiert wird, ständig, dass er aus der DDR kommt.“

Beliebte AfD in der ehemaligen DDR

David Begrich von der antirassistischen Bewegung „Together“ („Miteinander“)

Übermäßige Frustration und Verlassenheit

Bei fehlendem Selbstwertgefühl spielten demografische Faktoren eine gewisse Rolle, was sich auch in der Popularität der AfD in der ehemaligen DDR niederschlug. Nach 1990 verlor Sachsen-Anhalt ein Viertel seiner Bevölkerung. Viele gut ausgebildete junge Menschen, darunter viele Frauen, zogen auf der Suche nach besseren Jobs und höheren Löhnen nach Westdeutschland.

Kerstin Voelkel gibt Denkanstöße und regt an, die Frage zu stellen: „Was bleibt uns übrig?“ Seine Antwort war nicht optimistisch: „Ein junger, ungebildeter Mann, der sich einsam und ein Verlierer fühlt. Und deshalb sind sie anfälliger für populistische und autoritäre Propaganda.“

Interessant ist, dass ihnen die rechtsradikalen Tendenzen innerhalb der AfD keine Angst machen. Obwohl Journalisten seit langem die vielen Verbindungen zwischen der AfD in Sachsen-Anhalt und Neonazi-Gruppen aufdecken und die Strafverfolgungsbehörden Ermittlungen eingeleitet haben, sind junge Wähler immer noch bereit, für die Alternative für Deutschland zu stimmen.

David Begrich erklärt es so: „Zuerst müssen wir uns bewusst machen, dass rechtsradikaler Rassismus und Rechtsextremismus in Ostdeutschland nicht so stark kritisiert und verurteilt wird wie im Westen. Zweitens gibt es im Osten unterschiedliche Einstellungen zur Meinungsfreiheit. Meine Studenten erzählen mir oft offen, dass sie Hitler für einen außergewöhnlichen Politiker hielten, weil er Autobahnen baute und die Arbeitslosigkeit beseitigte. Sie betonen, dass sie in einem freien Land leben und sagen können, was sie für richtig halten und dass sie nur die Meinungsfreiheit genießen.“

Beliebte AfD in der ehemaligen DDR

Oliver Kirchner, Spitzenkandidat der AfD bei Wahlen in Sachsen-Anhalt

Recht auf extreme Ansichten?

Wie soll man mit solchen Einstellungen und Ansichten umgehen? „Ich habe versucht, ihnen klar zu machen, dass Hitler in erster Linie der Verbrecher war“, sagte Begrich. – Man kann nur versuchen, eine solche Meinung mit objektiven Tatsachen zu konfrontieren, denn allzu oft erleben wir eine mangelnde Reaktion auf rechtsextreme und extremistische Ansichten. Viele Leute reagieren auf solche Äußerungen mit den Worten: „Das ist nur Ihre Meinung“, und das reicht definitiv nicht“, betonte er.

Kerstin Voelkl von der Martin-Luther-Universität Halle und Wittenberg sieht einen weiteren wichtigen Aspekt der Einstellung junger Wähler aus den neuen Bundesländern: ihre geringere Sensibilität und Sensibilität für Demokratie und die Bedeutung einer leistungsfähigen Zivilgesellschaft.

– Auch aus diesem Grund kann man anfälliger für extreme Ansichten sein und die Bedrohungen durch rechtsextreme Ideologien und solche Tendenzen in der Politik nicht vollständig verstehen – behauptet Kerstin Völkl.

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Adelmar Fabian

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