Skandal in der deutschen Diözese. Die Studie spricht von Hunderten von missbrauchten Kindern

In der Erzdiözese Köln wurden zwischen 1975 und 2008 314 Minderjährige sexuell missbraucht, heißt es in einem neuen, unabhängigen Bericht von Anwälten. Dem Bericht zufolge haben 202 Geistliche und weltliche Angestellte die Tat begangen. Etwa 55 Prozent aller Fälle sind Kinder unter 14 Jahren.

Bei der Hälfte der Fälle handelte es sich um sexuelle Gewalt, bei den anderen handelte es sich um verbale und körperliche Misshandlungen. Die meisten von ihnen seien Jungen gewesen, behauptet der Verfasser des Berichts, Björn Gercke. Ihm zufolge ist dies der erste Bericht, der die Täter sexueller Belästigung ausdrücklich erwähnt. Der Bericht betrifft nicht in erster Linie die Tat selbst, sondern die Reaktion der Kirchenleitung darauf.

Die meisten Misshandlungen fanden in der Diözese statt, die bis 2014 von dem verstorbenen Erzbischof Joachim Meisner geleitet wurde. Dem Bericht zufolge vertuschte er seine Taten bewusst und ignorierte sie. Erzbischof und Kardinal Rainer Maria Woelki hingegen sind von Anwälten freigesprochen worden. Woelki hat einen Studienantrag bei einer Anwaltskanzlei eingereicht.

Als die Anwälte am Donnerstag den Bericht veröffentlichten, rief der Kardinal sofort zwei seiner Untergebenen vor – Bischof Dominic Schwaderlapp und Justizvikar Günter Assenmacher. „Wir haben Anzeichen von Schweigen gesehen, ich schäme mich“, sagte er deutsche Welle Wolki.

Rainer Maria Woelki hatte zuvor eine Studie zum Nachweis des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in der Diözese in Auftrag gegeben. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse lehnte er jedoch aus Datenschutzgründen ab. Dies führte jedoch zu einem Massenabgang der Gläubigen aus dem Bistum Köln. Deshalb hat Woelki eine neue unabhängige Studie durchgeführt. Trotzdem sahen sich Erzbischof und Kardinal heftiger Kritik seitens der Kirche ausgesetzt. Laut Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, ist Woelki „als moralische Instanz ein völliger Versager“.

Aktuelle Dokumentationen sind eine Sammlung von Interviews und Dokumenten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Münchner Rechtsanwalt Gercke beklagte, dass es in vielen Fällen an ausreichenden Unterlagen mangele und die Ermittlungen länger dauerten. Er lobte die Diözese jedoch für ihre Offenheit und Kooperationsbereitschaft. Insgesamt umfasste der Bericht mehr als fünf Monate und insgesamt 800 Seiten.

Dies ist nicht der erste Skandal um sexuellen Missbrauch in der deutschen katholischen Kirche. Einen ähnlichen Schritt wie das Bistum Köln unternahm das Bistum Aachen. Der Bericht listet 3.677 Minderjährige auf, die zwischen 1946 und 2014 missbraucht wurden. Die meisten von ihnen waren Jungen.

Adelmar Fabian

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