Österreichisches Schattenreich. Wie Putin eine Branche infiltrierte

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Als im April 2016 der Skandal um die Panama Papers bekannt wurde und die Verbindungen von Prominenten aus aller Welt zu einer geheimen Firma in einem Steuerparadies enthüllten, wurde der russische Cellist Sergej Roldugin zu einem der interessantesten „Fänge“. Zuvor war er nicht nur als Musiker bekannt, sondern auch als langjähriger und enger Freund von Präsident Wladimir Putin.

Nach geleakten Dokumenten der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca wird Roldugins Name mit mehreren Offshore-Firmen in Verbindung gebracht, über die Transaktionen oder Kredite im Wert von rund zwei Milliarden Dollar flossen. Aus den zusammengestellten Informationen produzierendass der größte Teil dieses Geldes tatsächlich an Putin gehen könnte.

Roldugin, der Putin angeblich seiner Frau Ljudmila vorgestellt hat und Patenonkel seiner ältesten Tochter ist, war während der Panama-Affäre mehrere Jahre lang gern gesehener Gast des Musicals „Russische Dienstage“ im österreichischen Linz. Dies ist das Hauptergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem Kulturzentrum Brucknerhaus in Linz und dem Musikhaus St. Musik. Petersburg, angeführt von dem russischen Cellisten.

Obwohl die Öffnung der Panama Papers in Österreich kritische Stimmen gegenüber Roldugins Arbeit hervorrief, war die Zusammenarbeit der St. Petersburg mit Brucknerhaus fortgesetzt und endete im Februar dieses Jahres nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine.

Die langjährige enge Zusammenarbeit der renommierten Institution mit einem Mann, der neben der russischen Kunst das Putin-Regime untrennbar repräsentiert, erinnert rückblickend daran, wie bereitwillig die österreichische Kulturszene, insbesondere die klassische Musik, mit russischen Funktionären im Kreml zusammengearbeitet hat.

Warum konzentriert sich der Kreml auf klassische Musik? „Es ist eine ideale Schattenwelt, ohne öffentliche Ecken und ohne investigative Journalisten. Putins Propagandisten haben das schnell erkannt und ihm seine Musik der Unschuld genommen – vor allem in Österreich.“ schreiben diese Woche in einem kritischen Artikel im Musikfilmer Der Standard Axel Brüggemann, der gerade an einer Dokumentation über Putins Netzwerk in der Kultur arbeitet.

Die Schlüsselfigur in der „Zusammenarbeit“ der österreichischen Kultur ist jedoch nicht Putins Cellist Roldugin, sondern der aus Deutschland stammende Musikmanager Hans-Joachim Frey.

Frey war bereits während ihrer früheren Arbeit in ihrer Heimat, insbesondere in Dresden und Bremen, für ihre Verwundbarkeit gegenüber Moskau bekannt. Laut österreichischen Medien wird ihm Putin zugeschrieben Haben Bei seinem Besuch beim Dresdner Opernball 2009 wurde der St. George (letzten Monat haben die Ballorganisatoren diese Entscheidung rückgängig gemacht).

Denken Sie daran, dass Putin eine besondere Beziehung zur Stadt Sachsen hat. In den 1980er Jahren diente er in Dresden als Nachrichtenoffizier für den sowjetischen KGB.

Frey, der Neffe des relativ berühmten deutschen Schauspielers Armin Müller-StahlWährend seiner Tätigkeit in Dresden begann er eine Tätigkeit, die er während seiner späteren Tätigkeit in Linz perfektionierte – er sammelte Geschäftsleute, mit denen er häufig nach Russland reiste.

Nach seinem Eintritt ins Brucknerhaus in Linz im Jahr 2013 gründete er das Internationale Kultur- und Wirtschaftsforum (IKW). Offiziell sollte es helfen, das Kulturzentrum finanziell zu unterstützen, aber laut Dokumentarfilmer Brüggemann wurde es verwendet, um die Expeditionen der Mitglieder in den Osten für Geschäftsmöglichkeiten zu decken.

Gleichzeitig gelang es Frey, für eine Reihe anderer kultureller Institutionen zu arbeiten, darunter das berühmte Moskauer Bolschoi-Theater. Nachdem er wiederholt von Inspektoren des Linzer Rathauses wegen schlechter Ergebnisse kritisiert wurde, verließ er Österreich und zog 2018 nach Sotschi, Russland, wo er Leiter eines Kulturzentrums und Festivals wurde.

Frey ließ sich schließlich in Russland nieder. Vor vier Jahren veröffentlichte er das Buch „Russland lieben lernen. Perspektiven auf Weltkulturnationen“, das später von Wladimir Putin geschrieben wurde. Im vergangenen Juni verurteilte der Musikmanager in einem Interview mit dem deutschsprachigen Sender des russischen Staatsfernsehens RT „sogar Russophobie und unnatürliche Dämonisierung“. Die gleiche Station dann ein paar Monate später benachrichtigtdass Putin Frey die russische Staatsbürgerschaft verlieh.

In Österreich stehen nicht nur in Linz die Tore der Kultur nach Russland offen. Die sommerlichen Musikfestspiele in Wolfgang Amadeus Mozarts Geburtsort Salzburg, so Brüggemann, seien ein offensichtliches „Paradies“ für eine Beziehung.

Dank Altkanzler Wolfgang Schüssel traf Präsidentin der Salzburger Musikfestspiele, Helga Rablová-Stadlerová, mit dem russischen Geschäftsmann Dmitry Aksjonov zusammen, dem Gründer der Gesellschaft Russischer Freunde der Salzburger Festspiele, die Auftritte ausgewählter Künstler fördert. Besonders beliebt war der Geschäftsmann bei dem griechisch-russischen Dirigenten Teodor Currentzis, der dauerhaft in Russland lebt und dessen MusicAeterna-Orchester auch von der russischen Staatsbank VTB unterstützt wird.

Nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine reagierten österreichische Kulturinstitutionen auf den ersten Blick scharf und stellten die Zusammenarbeit mit russischen Künstlern ein, die das Putin-Regime offen unterstützten oder sich weigerten, es zu verlassen.

Bekannt ist das Beispiel des Dirigenten Valeriy Gergiev, eines überzeugten Anhängers der Putin-Politik, der Ende Februar/März seinen Posten als Chef der Münchner Philharmoniker im benachbarten Bayern verlor. Laut kürzlich Analyse Der vom russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny gegründete Antikorruptionsfonds kauft für seine Verdienste um den Kreml Luxusimmobilien in New York oder Venedig.

„Musiker wie Gergiev, Roldugin und Currentzis verdienen seit Jahren Geld mit dem ‚System Putin‘, sie waren die Krönung des millionenschweren Kulturkriegs des Kremls, basierend auf subtiler Propaganda und politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme“, sagt Dokumentarfilmer Brüggemann.

Wichtig sei ihm, wie die kulturelle Bindung des Kremls an Österreich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verwirklicht worden sei. Letzte Woche hat das Wiener Konzerthaus ein geplantes Benefizkonzert für die Ukraine abgesagt, das von dem bereits erwähnten russischen Orchester MusicAeterna unter der Leitung von Currentzis aufgeführt werden sollte. Der ukrainische Botschafter in Österreich, Vasyl Chymynec, sowie das Österreichische Rote Kreuz oder die humanitäre Organisation Caritas hatten zuvor Kommentare zu der Veranstaltung abgegeben.

Wie man? Show, liegt das Problem nicht nur im Orchester selbst, das dank Geldern der russischen Bank VTB auftritt. Der Chef des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske, zögerte lange, die Show abzusagen. Außerdem stellt sich heraus, dass er laut liechtensteinischem Handelsregister einer der sieben Geschäftsführer der Stiftung ist, in der das Orchester MusicAeterna angesiedelt ist.

Reinhilde Otto

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