Gurlit-Fall. Deutschlands Wut auf Cork. Stille Absprachen über Raubkunst

Vor dem Besuch von Ministerin Annalena Baerbock in Warschau krähten deutsche Medien traditionell auf höchster Ebene und verkündeten, Polen fordere „kühn“ Kriegsreparationen und die Rückgabe gestohlener Kunst. Der Fall des 2014 verstorbenen Cornelius Gurlitt zeigt, warum deutsche Politiker dieses Thema immer noch ungern ansprechen.

Auf Nachrichtenplakaten von Wojciech Korku auf den Straßen von Warschau hatten deutsche Beamte und Journalisten, die von ihnen bezahlt wurden, einen weiteren kollektiven Anfall und lebten mehrere Tage mit plötzlichen Wutausbrüchen. Wie Sie wissen, haben Beamte in der ganzen Oder verschiedene Methoden entwickelt, um ihre historischen Missbräuche zu leugnen. Bedeutsam war diesmal die Reaktion der Deutschen auf die Kampagne des polnischen Künstlers, in der er die einfache Frage nach der fehlenden Entschädigung für das den Polen während des Zweiten Weltkriegs begangene Unrecht stellte. Die Stärke der oben genannten Plakate liegt in der Zusammenführung von Wissen, das in Deutschland heute stark verdrängt wird, an einem Ort. Dies gilt insbesondere für das für die Bundesregierung sensible Thema der Rückgabe von Raubkunstwerken, nicht nur für Polen.

Gurlitt-Fall

Der Fall des 2014 verstorbenen Cornelius Gurlitt ist ein Musterbeispiel, das deutlich zeigt, dass noch etwas nicht im Spiel ist. Der Fund einer Gemäldesammlung in seiner Münchner Wohnung im Jahr 2012 zeigt, dass Deutschland seit 1945 keine Gesetze erlassen hat, die die Rückgabe geraubter Kunstwerke erleichtern. Die Umstände der Entdeckung sind mehr als 1,4 Tausend. Von Deutschland gestohlenes Bild zeigt aktuelle deutsche Behörden.

Damals fand die Polizei in der Sammlung seines Vaters Hildebrand Gurlitt ein wertvolles Kunstwerk eines Rentners. Dank der journalistischen Neugier des deutschen Wochenjournalisten „Focus“ wurde der Fall endlich aufgedeckt, allerdings erst knapp zwei Jahre später. Ohne sie wäre die unvergessliche Entdeckung vielleicht noch immer das Geheimnis der Staatsanwaltschaft Augsburg. Interessanterweise kam dann niemand in Versuchung, zu erklären, warum die bayerischen Ermittler so lange geschwiegen haben. Offensichtlich enttäuscht, wollen sie das Medienfeuer wahrscheinlich nicht weiter anheizen. Dennoch ist es ein Rätsel, dessen Lösung nicht zu übersehen ist, zumal Wolfgang Schäuble selbst, ehemaliger Finanzminister in der Regierung von Angela Merkel, der das Zollamt unterstellt ist, zu den Uneingeweihten gehört. Schließlich ist Deutschlands mühsam aufgebauter Ruf als Land, das seine beschämende Vergangenheit aufgearbeitet hat, beschädigt.

Intransparente Regelungen

Die anfängliche Euphorie über den sensationellen Fund verschollener Werke so bedeutender Künstler wie Matisse, Picasso, Chagall, Dix und Liebermann wich einer breiten Verwunderung und sogar offen artikulierten Unzufriedenheit. Eine Welle der Wut brachen nicht nur die mit jüdischen Institutionen verbundenen Medien aus, sondern auch ein Kreis von Künstlern, Museumsmitarbeitern, Juristen und Experten aus der Kultur- und Kunstwelt. Der Donner im schweigenden Staatsanwalt kommt jedoch vor allem von den Familien der Holocaust-Opfer, potentiellen Besitzern der entdeckten Werke, die um ihre Rechte ringen. Das Problem ist, dass nicht bekannt ist, ob ihre Aktionen funktionieren. Durch die Sperrung des Zugangs des Opfers zur Liste der gefundenen Bilder lieferte ihm die Staatsanwaltschaft zudem zusätzliche Argumente.

Es ist unerhört, dass die deutsche Elite im Laufe der Jahre Klarheit über die Herkunft der gestohlenen Kunstwerke hergestellt und zu dieser heiklen Angelegenheit geschwiegen hat. Deutschland ist verpflichtet, eine geeignete Basis zu schaffen, die es uns ermöglicht, an das Diebesgut zu gelangen

– postuliert Michael Hulton, Nachfahre eines der Künstler, dessen Werk von den Deutschen als „entartete Kunst“ eingestuft wurde.

Dieser Fall ist geheimnisumwittert

Damals verstärkte sich in der Spree die Wirkung der politischen Niederlage, weshalb die Bundesregierung – geleitet von der öffentlichen Meinung – Ermittler dazu überredete, die ersten 25 Fundstücke der Münchner Schatzliste im Internet zu veröffentlichen. Peter Raue, ein auf Kunstrückgabeverfahren spezialisierter Berliner Anwalt, drückte in einem Interview mit der Nachrichtenseite Tagesschau Abscheu und Scham aus.

Erst haben die Staatsanwälte es gewagt, diese sensationelle Information vor der Weltöffentlichkeit zu verbergen, und jetzt, zwei Jahre später, haben sie es geschafft, 25 Gemälde aufzudecken? 25 von tausend? Das ist großartig!

Raue brüllte.

Französische und amerikanische Journalisten stellten fest, dass die Geheimhaltung der Münchener Entdeckung gegen die Bestimmungen des Washingtoner Abkommens von 1998 verstieß. Der Vertrag verpflichtete Deutschland, den Besitzer des von den Nazis 1933-1945 beschlagnahmten Kunstwerks ausfindig zu machen. Außer in Deutschland – trotz aller Unterlassungen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Liste – stellte sich heraus, dass niemand bereit war, selbst den Opfern selbst von den gefundenen Sammlungen zu erzählen.

In diesem Zusammenhang weisen die Medien auf immer mehr Fehler der deutschen Behörden hin. Anne Sinclair, eine französische Journalistin und Enkelin des legendären Pariser Sammlers Paul Rosenberg, erfuhr aus den Medien von den spektakulären Ergebnissen der Polizeirazzien. Zu den damals von Cornelius Gurlitt beschlagnahmten Werken gehörte unter anderem das Gemälde „Frau mit Fächer“ von Henri Matisse, das vor dem Krieg seinem Großvater gehörte.

Ebenso interessant sind neben den Gemälden auch Stapel von Dokumenten, die Transaktionen von Hildebrand Gurlitt, Cornelius‘ Vater und Diener des deutschen Propagandaministers Goebbels, sorgfältig dokumentieren. Das Team der Freien Universität Berlin, das zur Ermittlung der Herkunft des gefundenen Werkes eingesetzt wurde, verfügt über detaillierte Informationen über die Vorbesitzer des Gemäldes, die inmitten einer wachsenden Schokoladenwelle ihren Besitz verkaufen mussten. Es gibt jedoch starke Hinweise darauf, dass auch die Linke des FO die Umstände der Wohnungsdurchsuchung Gurlitts 2012 bekannt war.

Es ist nur so, dass sie, anstatt es den Familien der Opfer zu sagen, eine große Konferenz organisieren, auf der sie allen verkünden, dass die „Entdeckung des Jahrhunderts“ in der Welt der Kultur stattgefunden hat. Kunsthistoriker der Universität Berlin, die sich mit „Entarteter Kunst“ befassen, wollten bis heute Details der Untersuchung nicht preisgeben. Trotz der lauten Erklärungen ist die Frage des von den Deutschen gestohlenen Kunstwerks noch immer im Dunkeln.

Böses Verhalten

Das Problem ist, selbst wenn der Vorbesitzer bestimmt ist, bedeutet dies nicht, dass das Bild sofort an die Nachkommen zurückgegeben wird. Die Rechtslage in Deutschland ist sehr kompliziert. Die meisten Gemälde befinden sich in staatlichen Museen und können nicht zurückgegeben werden.

Aus moralischer Sicht ist das sehr böse, aber leider immer noch rechtlich bindend

– Willi Korte, Rechtsanwalt aus Bayern, schließt ab. Hinsichtlich privater Restitutionsansprüche sieht Korte keine formalen Kontraindikationen für eine Rückgabe, obwohl sich der Eigentumsnachweis in vielen Fällen als sehr schwierig erweisen kann. Peter Raue, der die Angelegenheit genauer untersuchte, glaubt, dass die Entdeckungen in München die schmerzliche Wahrheit über die Überwachung der Deutschen enthüllen, die 76 Jahre nach ihrem eigenen Krieg es versäumt hatten, Gesetze zur Erleichterung der Rückgabe geplünderter Werke zu erlassen. Kunst.

Friedliches Leben im Ruhestand

Außerdem war es den deutschen Staatsanwälten etwas peinlich, dass sie nach zweijährigen Ermittlungen keine Anklage gegen Cornelius Gurlitt erheben konnten. Lediglich ein Ermittlungsverfahren wegen Steuerbetrugs wurde eingeleitet. Der deutsche Alte brauchte keine Verantwortung zu tragen. Nur wenige Monate nach der Polizeiaktion in München-Schwabing-Gurlitt verkaufte er in seinem üblichen Fauxpas weitere Bilder. Eine Zeitlang bestand sogar die Möglichkeit, beschlagnahmte Werke einem Rentner, dessen Vater nach 1945 legal gehandelt wurde, bei dem bis heute unveränderten Gesetz zurückzuholen.

Nach dem Tod von Hildebrand Gurlitt 1956 erbte sein Sohn von ihm eine unschätzbare Sammlung, die von Zeit zu Zeit einzelne Werke unter den Hammer brachte. Auf diese Weise finanziert sich der Junior für viele Jahre ein wohlhabendes Leben, ohne einen Beruf auszuüben, ohne Zulagen zu zahlen und keine Akten einzureichen. Vorläufige Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft zeigen, dass Cornelius Gurlitt vor seinem Tod mehr als eine halbe Million Euro auf seinem Konto hatte. Deutsche Ermittler schlossen nicht aus, dass es noch unentdeckte Verstecke gab, die Gurlitt ihnen nicht mitgeteilt hatte. Für Wolfgang Wippermann, Professor an der Freien Universität Berlin, ist dies zwar ein nationales Problem, gilt aber insbesondere für Bayern.

Hier passieren viele unerklärliche Dinge. Bayern besitzt beispielsweise noch immer die Rechte an den Werken Adolf Hitlers, was diesem Bundesland gewisse materielle Vorteile bringt. Eine ähnliche Sammlung wie in München ist nicht auszuschließen

– er zeigt.

Hildebrand Gurlitt erklärte nach dem Krieg, dass alle Werke seiner Sammlung im zerbombten Dresden in Flammen aufgegangen seien. Diese Version wurde von seiner Witwe bestätigt. Vor dem Krieg war Gurlitt Sr. Als gefeierter und zukunftsweisender Kunstkenner respektiert, geriet er nach 1933 durch seinen unermüdlichen Kampf um die Akzeptanz der Moderne und seine jüdische Abstammung in Ungnade. Ab 1936 gehörte er jedoch zu einer kleinen Gruppe von Kaufleuten, die auf Ersuchen der Dritten Reichsbehörden Werke verkauften, die von den Nationalsozialisten als Manifestationen der „entarteten Kunst“ eingestuft wurden und zuvor ihren rechtmäßigen Eigentümern entzogen worden waren. Joseph Goebbels hat Gurlitt persönlich empfohlen, im Bewusstsein seiner hervorragenden internationalen Kontakte in die Kunstwelt. Der von den Nazis gesetzte neue Trend basierte auf dem romantischen Realismus, dessen Hauptleitlinie das Lob der „Herrenrasse“ war. Daher sollte Kunst klassische Muster aufweisen und rein rassisch, ohne fremde Elemente. In der Praxis bezieht sich der Begriff „entartete Kunst“ in erster Linie auf den Mainstream der modernistischen Kunst, der von Künstlern repräsentiert wird, die als „minderwertiger Rasse“ gelten.

Im Juni 1937 wurde es zur „Sicherung entarteter Kunstwerke“ im Reichsbesitz zur Ausstellung einer Ausstellung befohlen. Mehr als 16.000 Menschen wurden Opfer der Aktion. Objekt. Hildebrand Gurlitt handelte so faktisch mit Raubkunst, kaufte teure Werke zu sehr niedrigen Preisen zurück und verkaufte sie dann mit geringen Margen ins Ausland oder für den Eigenbedarf. Normalerweise vermied er diese letzte Information schüchtern. Um ihre Ausreise zu finanzieren, mussten jüdische Sammler, die zur Emigration gezwungen wurden, ihre Kunst für ein Lied verkaufen. Die verdammten Künstler wurden systematisch gedemütigt, verfolgt und getötet, nach 1939 auch in Polen.

Feindliche Hände

Nach Ausbruch des feindlichen Krieges griffen Berlins Hände auch nach Werken von Künstlern in Polen. Zuvor, im Jahr 1937, wurden jedoch Werke aus den Museen in Breslau, Stettin und Bytom im heutigen Polen für eine von Goebbels vorbereitete Ausstellung „Entartete Kunst“ nach München geschickt. Die von NS-Verbrechern beschlagnahmten Objekte wurden noch im selben Jahr verkauft. Der Hildebrand Gurlitt ist eine der wichtigsten offiziellen Antiquitäten. Unter den in Schwabing gefundenen Exponaten befinden sich Werke aus der Weichsel. Wurden sie zurückgegeben?

Adelmar Fabian

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