Wir werden Nordböhmen nach Österreich bringen, Deutschland ist für den Kaiser geplant

Vor Kriegsende arbeitete Berlin sorgfältig zwischen der Anerkennung der Zukunft der Tschechoslowakei und der militärischen Besetzung des Sudetenlandes. Der radikale General August von Cramon schlug vor, die österreichische Regierung vollständig aufzugeben und die tschechischen Deutschen selbst zu bewaffnen. „Polizeikräfte“ würden sich in Sachsen und Bayern verstecken, um sie bei militärischen Zusammenstößen mit den Tschechen zu unterstützen.

Aber die deutsche Regierung hatte es nicht eilig, sich auf ein solches Abenteuer einzulassen, da sie erwartete, dass der Krieg verloren wäre. Außerdem ist nicht ganz sicher, dass der Großteil des Sudetenlandes in den Krieg ziehen und Teil Deutschlands werden will.

Im Oktober 1918 schrieb General Erich Ludendorff an den Außenminister, dass die Bildung des tschechischen Staates nicht verhindert werden könne und dass man zumindest das überwiegend von Deutschen bewohnte Gebiet Österreich-Ungarns besetzen solle. Sie interessierten sich besonders für die nordböhmische Steinkohle, die damals noch wichtiger war als heute.

Ihre Pläne scheiterten jedoch bald, als das verwüstete Deutschland von Streiks der Arbeiter und Unruhen der Soldaten überrannt wurde. Kaiser Wilhelm II. er verlor die Kontrolle über das Land und trat am 9. November 1918 zurück. Karl Liebknecht erklärte daraufhin in Berlin die Republik und der Krieg war zu Ende.

Unmittelbar nach der Gründung der Tschechoslowakei erklärten deutschsprachige Politiker (zum zweiten Mal) die Rebellenprovinzen – Deutschböhmen Nordböhmen, Nordmährisches Sudetenland, Böhmerwaldgau Südböhmen und in Südmähren Deutschsüdmähren. Sie würden Teil des österreichischen Deutschlands werden, aber die Pläne waren unrealistisch – sie hatten keine internationale Unterstützung und keine angemessene Armee.

Die Provinzen brachen innerhalb von zwei Monaten zusammen. Der einzige organisierte Versuch eines echten Kampfes im Norden fand in Most (damals Brüx) statt. Ungefähr siebenhundert Mitglieder der Volkswehr versuchten, gegen die örtlichen Tschechen zu kämpfen, aber als der Hauptmann des 8. tschechoslowakischen Schützenregiments Václav Havlíček am 26. November mit dem Zug aus Prag eintraf, begann die Miliz sich zurückzuziehen und ergab sich am 27. November.

Die neue deutsche Republik war an Krieg nicht interessiert und die anderen nordböhmischen Städte versuchten keine Schlachten mehr. Einige Nationalisten fühlen sich jedoch weiterhin schuldig.

Der internationale Kontext der Entstehung der Tschechoslowakei und der Grenzziehungen, die keineswegs sicher sind, wird ausführlich in dem Buch Tschechoslowakei und Neues Europa beschrieben. Einen interessanten Blick auf das Thema bietet auch das Buch The Conflict Society von Jan Křen.

Senta Esser

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