Was genau ist Fortschritt? Little is Nice Buch neu aufgelegt

Das Buch wurde 1973, auf dem Höhepunkt der Ölkrise, erstmals in englischer Sprache veröffentlicht und wurde schnell zum Weltbestseller. Schumachers Konzept einer „buddhistischen Ökonomie“ erregte mediale Aufmerksamkeit, und der Satz „Klein ist schön“ nahm einen festen Platz in der Diskussion um die Lösung der ökologischen Krise und die Rolle des ökonomischen Denkens darin ein. Dieses Buch ist jetzt dank Koři in meiner Übersetzung in einer Neuauflage auf Tschechisch erschienen. Aber warum genau es nach fast fünfzig Jahren immer noch lesen?

Der erste Grund, Schumacher heute zu lesen, ist die Zeitlosigkeit seiner Botschaft. Schumacher hinterfragt die Grundursachen der aktuellen Krise – die sich seitdem verschärft haben – und stellt Fragen nach bequemen Wahrheiten, über die wir nie intensiv nachdenken:

Ist die Mainstream-Ökonomie eine objektive Wissenschaft oder basiert sie auf bestimmten nicht anerkannten Werten? Schädigen diese nicht anerkannten Werte auch unser moralisches Empfinden in unserem Privatleben? Ist Wirtschaftswachstum mit dem langfristigen Überleben unserer Zivilisation vereinbar? Haben wir in den letzten hundert Jahren wirklich Fortschritte erlebt? Was genau ist Fortschritt? Wie geht der Mensch mit Gewalt um? Und wie trägt das aktuelle wirtschaftliche Denken dazu bei? Sind gewöhnliche, gewinnorientierte Unternehmen Teil des Problems? Welche Alternativen gibt es? Diese und andere Fragen stellt Schumacher irgendwie unabsichtlich, mit Leichtigkeit und auf den ersten Blick, oft mit Humor.

Und das ist ein weiterer Grund, Schumacher heute zu lesen. Es liegt in seinem frischen Stil und der Hoffnung, die von den Seiten der Bücher des Autors atmet.

Diese Hoffnung hat eine doppelte Form. Dies ist einerseits Schumachers ungeplante spirituelle Botschaft, die sich nicht nur an unsere Intelligenz, sondern auch an unser Herz richtet. Andererseits ist es ein gewisser Pragmatismus, der es dem Autor nicht erlaubt, in großen Höhen zu fliegen.

Somit bleibt dieses Buch eine Inspiration, wie die Realität sozial und umweltgerecht gestaltet werden kann. Schumacher stellte unter anderem die Schlüsselkonzepte einer angemessenen Zwischentechnologie vor, analysierte ethische und demokratische Geschäftsmodelle und forderte einen gewaltfreien Umgang mit der Landwirtschaft, der Land, Vieh und Feldfrüchte nicht als Ressource, sondern als Lebewesen begreift.

Jagd auf Engelswachstum

Ein dritter Grund für die Aktualität dieses Buches ist die Tatsache, dass unsere Gesellschaft mit vielen Erkenntnissen Schumachers noch reif ist. Schauen wir uns heute einige seiner Gedanken im Spiegel an.

Einer davon ist der Begriff der Metaphysik oder Metaökonomie, nämlich die Behauptung, dass die Wirtschaft nicht für sich allein steht, sondern aus unseren Werten und dem, was uns wichtig ist, entspringt.

EF Schumacher

Foto: Schumacher Institut

Schumacher erläutert diese Idee am Beispiel, dass die Wirtschaft nicht wie heute auf den europäischen Industriewerten des 18. Jahrhunderts basieren würde, sondern auf den buddhistischen Werten der Einfachheit und Gewaltlosigkeit.

In diesem Fall besteht das Ziel wirtschaftlichen Handelns nicht darin, Beschäftigungsmöglichkeiten für finanzielle Effizienz zu verringern, sondern vielmehr Vollbeschäftigung und menschenwürdige und sinnvolle Arbeit zu fördern. Anstatt Produktion und Konsum zu maximieren, wird die Wirtschaft den Mittelweg des goldenen Buddha und moderaten Konsum einschlagen. Etc.

Schumachers zentrale Botschaft, dass die grundlegenden Ansätze, Ziele, Schlussfolgerungen und Fragen der Ökonomie heute grundlegend von ihrem Weltbild, d Vorwand des naiven Realismus. Wir lesen darin, dass die Ökonomie eine positive und objektive Wissenschaft ist, die die (objektiv identifizierbare) Realität unvoreingenommen sieht und wissenschaftlich erklärt.

Auch für Schumacher ist Energie ein wichtiges Thema. Der Autor befürchtet, dass bei einem weiteren Wirtschaftswachstum, insbesondere in den Industrieländern, der Welt in wenigen Jahrzehnten eine fatale Energieknappheit droht. Und wenn wir mehr fossile Brennstoffvorkommen finden, um unseren ständig steigenden Verbrauch zu decken – sagte Schumacher 1973 -, werden wir auf enorme natürliche Toleranzgrenzen und „thermische Belastungen“ stoßen. Er fügt hinzu: „Das gilt für jeden Kraftstoff: Wenn wir seinen Verbrauch vervierfachen, dann verfünffachen, dann verfünffachen“, werden wir früher oder später das Umweltproblem nicht mehr kennen.

Schumacher versuchte zu zeigen, dass unser sich entwickelndes Wirtschaftssystem, das auf stetiges Wachstum von Produktion und Konsum ausgerichtet ist und einseitig private Gewinne unterstützt, eine Schlüsselrolle bei der Destabilisierung des natürlichen Systems spielt. Auf der tiefsten Ebene sei das Problem seiner Ansicht nach die erwähnte Metaphysik, nämlich das vorherrschende Wertesystem, das den Menschen von der Natur trennt, die wesentlichen Werte der Natur leugnet und zur Lösung jedes Problems auf Technologie setzt.

Dieses Thema ist heute aktueller denn je. Die Europäische Union in ihrer politischen Strategie Grünes Abkommen für Europa Während er sich einen massiven Übergang zu einer erneuerbaren Energie oder einer kohlenstofffreien Wirtschaft vorstellt, sieht er auch weiteres Wirtschaftswachstum vor, das „getrennt von der Ressourcennutzung“ sein wird. Mit anderen Worten, wir werden weiterhin mehr produzieren und konsumieren, aber gleichzeitig werden Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung zurückgehen.

Leider ist die Möglichkeit des „Angelwachstums“ oder der „absoluten Trennung“, d. Nichtsdestotrotz sprechen nicht nur die Europäische Union, sondern auch Institutionen wie die OECD und die Vereinten Nationen weiterhin von „grünem Wachstum“.

Westen als Vorbild?

Eine andere metaphysische Vorstellung, die die westliche Zivilisation durchdringt, hängt mit der Vision einer sich ständig weiterentwickelnden Wirtschaft zusammen. Dies war die Fortschrittsidee der Aufklärung, und so wie das Proletariat für Marx die Vorhut einer künftigen gerechten Gesellschaft war, so ist der Westen in den heutigen Ideen die Vorhut des Fortschritts in Richtung einer strahlenden Zukunft.

Schumacher fand sich 1955 erstmals im globalen Süden – Burma (heute Myanmar) – im Jahr 1955 wieder. Doch statt eines armen Menschen, der „entwickelt“ werden musste, fand er eine Gesellschaft vor, die ihn spirituell und künstlerisch tief prägte Kultur, Würde und Bescheidenheit.

Buddha und Geschichten aus seinem Leben (Tibet, Ende 17. Jh.), zu sehen in der Buddha-Ausstellung hautnah in der Nationalgalerie auf dem Gelände der Wallenstein-Reitschule in Prag bis 24. April 2022

Foto: Nationalgalerie Prag

Schumacher beschreibt das Paradoxon, dass die Burmesen ohne moderne zeitsparende Technik „unproduktiv“ seien, aber im Vergleich zur durchschnittlichen technologisch fortgeschrittenen westlichen Bevölkerung „viel Zeit für ihre eigene Unterhaltung und Freude haben“.

Damit stellt der Autor ein Fragezeichen hinter den allgemeinen Begriff des linearen Fortschritts, für den der Westen ein begehrtes Vorbild ist. Andererseits lässt er sich in seinem Kapitel über buddhistische Ökonomie offen von burmesischen spirituellen Werten inspirieren.

Im Zweifel an konventionellen Entwicklungsmodellen war Schumacher in den 1970er Jahren ziemlich isoliert. Erst heute, wenn mit jeder neuen Krise (ökologisch, finanziell, klimatisch, Pandemie) die Geschichte vom Weg der westlichen Zivilisation in ein strahlendes Morgen an Überzeugungskraft verliert, wird dieses Thema dringlicher. Und erst heute ein reifer Gedankenstrom, wie Nachentwicklung, die die konventionelle Vorstellung vom linearen Fortschritt im Sinne einer unkritischen Nachfolge des Westens und einer „Entwicklung“ anderer Länder nach ihrem eigenen Bild ablehnt.

Schumacher wird sicherlich von dem sich entwickelnden Gedankenstrom angezogen werden Gutes Leben – Sumak Kawsay, das auf der Kosmologie der Ureinwohner des südamerikanischen Kontinents basiert. Sein Ziel ist Harmonie, das Ausbalancieren von Gegensätzen, d. h. ein „gutes“ Leben zu führen, kein „besseres“.

Auf der anderen Seite gibt es akademische und soziale Bewegungen mit Ursprung in Europa nicht wachsen, die sich wie Schumacher gegen eine kontinuierliche wirtschaftliche Expansion wehrten und die Erneuerung lokaler Anker des Wirtschaftsgeschehens, aber auch Verlangsamungen und tiefere Erfahrungen unseres Lebensweges förderten.

Wann hat er nicht aufgeholt

Klein ist gut in etwas konnte er den Schatten seiner Zeit nicht überschreiten. Wir werden vergeblich nach Erwähnungen der sich wandelnden Rolle der Frau suchen oder dass die Dominanz männlicher Werte die Wurzel unserer heutigen Probleme sein könnte. Einige Erwähnungen der Länder des globalen Südens, die ihre eigene Kreativität und Autonomie zu leugnen scheinen, sind problematisch. Diese Abschnitte zur „Entwicklung“ stehen in direktem Widerspruch zu vielen anderen, in denen Schumacher dagegen seiner Zeit weit voraus war.

Naďa Johanisová ist Ökonomin und arbeitet im Department of Environmental Studies der FSS MU.

Foto: Nadi Johanisová .archiv

Schließlich fordert Schumacher in dem Buch eine persönliche Transformation, erwähnt aber kaum den institutionellen Systemwandel. Obwohl Ökonom, spricht er nicht über die Rolle von Geld, Finanzen, Steuern und öffentlichen Ausgaben bei der Gestaltung Status Quo sowie die Notwendigkeit ihrer Reform.

Trotzdem ist es immer noch Klein ist gut ein wichtiges Buch, das nicht nur der weisere Ökonom in der Bibliothek verlieren sollte, sondern auch jeder, der sich für die tieferen Zusammenhänge der verschiedenen Krisen unserer Gesellschaft interessiert.

Der Text ist eine gekürzte und modifizierte Version des Vorworts des zur Diskussion stehenden Buches.

Adelmar Fabian

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