Unter starkem Druck verspricht Berlin die Lieferung moderner Waffen an Kiew

Nach wochenlangem Skaten hat die von Olaf Scholz Ende Februar versprochene Zeitenwende am Mittwoch einen wichtigen Schritt getan. Die deutsche Bundeskanzlerin kündigte vor dem Bundestag die Lieferung neuer Waffen an die Ukraine „unter den modernsten der Welt“ an. Deutschland zögert, seine Eigenproduktion direkt nach Kiew zu schicken, und bevorzugt ein zirkuläres Liefersystem, das auf Lieferungen von alten Materialien aus postsowjetischen Beständen durch ex-osteuropäische Länder basiert.

Ab sofort liefert Berlin sein eigenes, vom deutschen Hersteller Diehl entwickeltes Luftverteidigungssystem IRIS-T. „Dies ist ein sehr wichtiger Schritt, da die russischen Luftangriffe nur noch zunehmen werden“, sagte Gustav Gressel, Forscher beim European Council on International Relations (ECFR). Die Ukraine ihrerseits riskiere, dass ihr die Munition für das Flugabwehr-Raketensystem S-300 ausgeht, die andere westliche Länder nicht liefern könnten, sagte der Experte. Neben Deutschland könnten sich auch mehrere Länder alternative Systeme einfallen lassen, erinnert sich der Experte, der Mica als französisches Äquivalent bezeichnete.

Der Druck ist zu groß geworden

Aus humanitärer Sicht „geben wir damit der Ukraine die Möglichkeit, alle großen Städte vor russischen Luftangriffen zu schützen“, betonte Olaf Scholz, der Kritik an seiner Verzögerung entschlossen zurücknehmen wollte. Die Bundeskanzlerin versprach in den kommenden Wochen die Lieferung „in enger Abstimmung mit den Niederlanden“. [de] zwölf der modernsten Panzerhaubitzen der Welt“.

Deutschland wird auch ein Ortungsradar bereitstellen, das feindliche Haubitzen, Mörser und Raketenartillerie erkennen wird. Schließlich deutete der Kanzler an, dass sein Land in enger Zusammenarbeit mit den USA Raketenwerfer liefern werde, allerdings nur mit einer Reichweite, die nicht bis nach Russland reicht.

Der politische Druck auf die Regierung von Olaf Scholz ist zu stark geworden, die Kritik zu groß. Der deutsche Oppositionsführer Friedrich Merz eröffnete am Mittwoch eine Haushaltsdebatte, indem er die Bundeskanzlerin beschuldigte, der Anordnung des Bundestages, schwere Waffen in die Ukraine zu schicken, nicht nachgekommen zu sein. Eine Anschuldigung wurde von Kiew, aber auch von Polen erhoben, das unglücklich darüber ist, keine Ersatzwaffe für die in die Ukraine überführten Panzer erhalten zu haben.

Veränderte Zeiten, die Zeit brauchen

In der Europäischen Union „gibt es nur schlechte Laune, Ernüchterung über die unklare Rolle Deutschlands und echte Verärgerung über Sie und Ihre Regierung“, resümiert der CDU-Vorsitzende. Trotz der Zurückhaltung pazifistischer Strömungen innerhalb der Kanzler-SPD könne „das Land mit seiner starken Rüstungsindustrie sich nicht weiter auf die Lieferung von Kleinwaffen unter Berufung auf informelle Abkommen innerhalb der NATO beschränken, die es nicht gibt“, folgert Gustav Gressel.

Letzterer teilt dagegen die Kritik an der Verzögerung Deutschlands bei der Waffenlieferung nicht. „Das sind moderne Geräte, die schnell verfügbar sein müssen und eine mehrwöchige oder gar monatelange Einarbeitung erfordern“, betont der Forscher. Trotz der geweckten Hoffnungen ist der Epochenwechsel nicht mit einem Fingerschnippen zu bewerkstelligen und daher wird diese Waffe „Made in Germany“ nicht so schnell in der Ukraine ankommen, wo die Lage im Donbass äußerst angespannt ist.

Olaf Scholz betonte derweil: „Putin darf diesen Krieg nicht gewinnen, Deutschland wird die Ukraine so lange wie nötig unterstützen.“ Die anstehende Abstimmung über den 100-Milliarden-Euro-Fonds zur Modernisierung der Armee ist seiner Meinung nach der beste Beweis für seine Entschlossenheit. „Das war eine Koalitionsentscheidung“, erinnerte sich die Kanzlerin. Als Beitrag zur Sicherheit des transatlantischen Bündnisses „werden wir damit die größte konventionelle Armee eines europäischen Nato-Mitglieds haben“, versprach er.

Senta Esser

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