Menschenrechte bleiben im Hintergrund

Der Austragungsort der nächsten Weltmeisterschaft, Katar, ist regelmäßig Zielscheibe von Vorwürfen der Menschenrechtsverletzungen. Unter internationalem Druck hat das Regime des Landes einige Fortschritte gemacht, aber das Bild bleibt besorgniserregend, so Amnesty International letzte Woche. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Experten beider Organisationen eingeladen, um die Teammitglieder über die aktuelle Menschenrechtslage in Katar, dem Gastgeberland der WM 2022, zu informieren. vor Ort alles richtig beurteilen“. Das deutsche Teamtreffen bot Gelegenheit, einige der Fragen zu stellen, die viele umtrieben: Was ist mit den viel kritisierten Arbeitsbedingungen der Migranten, viele aus anderen asiatischen Ländern, die in Bauprojekten für die WM eingesetzt wurden, passiert? ? Ist seit der gesetzlichen Verabschiedung des Mindestlohns und der Arbeitsortwahl im Jahr 2020 eine spürbare Verbesserung eingetreten? Kleine Verbesserungen Ein gutes Bild der Situation zeichnet Dietmar Schäfers, der 2013 als Vizepräsident des Internationalen Bau- und Holzarbeiterverbandes die Kampagne „Rote Karte für die FIFA – Keine WM ohne Menschenrechte“ mit ins Leben gerufen hat. Schäfers war in den vergangenen Jahren mehrfach in Verhandlungen mit dem WM-Organisationskomitee und dem katarischen Arbeitsministerium involviert und hat mehrere Baustellen besucht, um sich vor Ort von den realen Bedingungen zu überzeugen. „Seit 2016 haben wir als internationaler Verband die Möglichkeit, alle Baustellen für die WM in Katar regelmäßig zu inspizieren. Und das tun wir mit unseren Experten. Bisher haben wir 24 dieser Inspektionen durchgeführt.“ , sagte Schäfers der DW. „Seitdem haben sich die Bedingungen für die Arbeiter deutlich verbessert“, sagte Schäfers. „So wurden beispielsweise sogenannte Kühlräume errichtet, damit die Arbeiter der Hitze entfliehen konnten. Kühlwesten wurden eingeführt und regelmäßige Pausen eingeführt.“ Besonderes Augenmerk legte der Verband auf das inzwischen offiziell verbotene Kafala-System Unter anderem wurde das Kafala-Gesetz effektiv abgeschafft“, sagt Schäfers. „Beschäftigte können sich frei bewegen und den Arbeitgeber wechseln, wann immer sie wollen. Außerdem wurde ein Mindestlohn eingeführt.“ Er erklärte, dass Arbeitnehmer nun ihren eigenen Sprecher auf der Baustelle wählen können und dass eine Schlichtungsstelle eingerichtet wurde, an die sich Arbeitnehmer bei Problemen wenden können. Wenig Kontrolle seien diese Maßnahmen zwar Positiv, so Schäfers, seien diese Maßnahmen nicht so umgesetzt worden, wie sie sein sollten: „In Katar gibt es derzeit 200 Inspektoren für die Belegschaft von rund 900.000 Menschen“, erklärte er, „das ist zu wenig.“ Das betrachte er auch Die katarische Regierung hat bei der Sanktionierung von Unternehmen keine gute Arbeit geleistet „Es sollte konsequentere Strafen für Bauunternehmen geben, die sich nicht an das Gesetz halten: nicht nur Bußgelder, sondern auch Gefängnisstrafen und Betriebsschließungen“, sagte er ist doch passiert“, beharrt er. Ein düsteres Bild sieht Katja Müller-Fahlbusch, Timur-Expertin Middle bei Amnesty International, von den Zuständen auf Baustellen in Katar eine echte Steigerung für etwa 2 Prozent der Arbeiter auf einer WM-Baustelle“, sagte er der DW. „Für die restlichen 98 % sieht die Situation viel schlimmer aus, wenn sie nicht genau beobachtet werden.“ Müller-Fahlbusch stimmte Schäfers‘ Kritik an der Regierung zu, dass sie nicht hart genug gegen Übertreter vorgehe. „Jeden Tag, an dem dies passiert, sind Arbeiter im ganzen Land skrupellosen Menschen ausgeliefert. Arbeitgeber klauen Löhne, unsichere Arbeitsbedingungen und manchmal unüberwindbare Hindernisse für einen Jobwechsel“, sagte er. „Arbeitgeber können ihre Arbeitnehmer ungestraft ausbeuten.“ Reformen brauchen Zeit Sowohl Müller-Fahlbusch als auch Schäfers glauben, dass Katar eine modernere Gesellschaft wird. Es ist jedoch noch ein weiter Weg zu gehen, insbesondere im Hinblick auf die Rechte von Frauen und Minderheiten. „Man muss einfach akzeptieren, dass diese Reformen Zeit brauchen. Man kann nicht alles mit europäischen Augen sehen“, sagte Schäfers. „Die Modernisierungsschritte, die Katar unternommen hat, sind für seine Verhältnisse enorm. Aus unserer Sicht sind sie klein.“ Fatma Al Nuaimi, Kommunikationsdirektorin des Organisationskomitees des Qatar Cup, bat um Geduld. „Wir haben immer daran geglaubt, dass die Weltmeisterschaft ein bedeutendes soziales Erbe hinterlassen kann“, sagte Al Nuami, „insbesondere im Hinblick auf Arbeitnehmerrechte.“ Ihm zufolge ist die WM „auch eine Gelegenheit, Brücken zu bauen, Missverständnisse auszuräumen und unsere Gastfreundschaft zu vermitteln“. Ständige Überwachung Allerdings ist sich Müller-Fahlbusch über die Zukunft Katars nicht so sicher. „Es gibt immer noch große konservative Kräfte, die den Modernisierungsprozess kritisieren. Es formiert sich Widerstand, der den gesellschaftlichen Wandel lieber rückgängig macht“, sagte er. Ihm zufolge ist nach der WM eine langfristige Beobachtung der Menschenrechtslage in Katar notwendig. „Wenn dies nicht geschieht, laufen Tausende von anderen Arbeitnehmern Gefahr, Opfer von Arbeitsmissbrauch zu werden“, sagte er. „Die Situation für diejenigen, die nach dem Turnier in Katar bleiben wollen, könnte noch schwieriger werden.“ Autor: Olaf Jansen

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Anke Krämer

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