Kommentare: Deutschland sollte jetzt eine Party haben. Das Ende der Illusion über Putin

Kein anderes großes Land der westlichen Welt vertraut Wladimir Putin so sehr wie Deutschland. Noch unangenehmer für Deutschland war das Aufwachen von Donnerstagnacht, als russische Truppen in die Ukraine einmarschierten. Mit dem Beginn der Militäroperationen wurde eine große Illusion zerstört, die die Außenpolitik der deutschen Regierung bestimmte und an die die Mehrheit der Bevölkerung der Bundesrepublik lange geglaubt hatte.

Die Überzeugung, dass der Kreml nachsichtig behandelt werden sollte und dass Ungerechtigkeiten wie die Krim-Annexion durch die Ukraine oder Angriffe auf unbequeme Menschen im Ausland grundsätzlich eingedämmt werden müssen, rührt zum Teil aus dem Trauma der fortgesetzten Geschichte Deutschlands als Nazi-Aggressor während der Zweiten Welt her Krieg. .

Berlins großzügige Haltung mag auch die Dankbarkeit dafür widerspiegeln, dass die ehemalige Sowjetunion die Vereinigung Deutschlands nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks nicht behindert hat. Oder wirtschaftliche Gründe, etwa die starke Abhängigkeit Deutschlands von Russlands Energielieferungen und der Handel zwischen den beiden Ländern in dreistelliger Milliardenhöhe pro Jahr.

Nicht zuletzt gibt es eine gewisse unbewusste Putin-Faszination, der nicht nur Politiker, sondern auch einige angesehene deutsche Kommentatoren erliegen. Und wenn zu Putins Sympathien noch russisches Geld hinzukommt, wie Altkanzler Gerhard Schröder für seine Rolle als Cheflobbyist von Gazprom, hat es Moskaus wirtschaftliche und politische Interessen aktiv gefördert.

Nur wenige Menschen in Deutschland machen sich die Mühe zu glauben oder haben den Mut, darauf hinzuweisen, dass Freundlichkeit gegenüber Russland weitgehend irreführend ist. Unter anderem die Tatsache, dass Deutschland aus der Vergangenheit ein schlechtes Gewissen gegenüber Russland zeigte, nicht aber gegenüber der Ukraine, aus der die meisten Opfer des Nazifeldzuges stammten. Als die Ukraine vor der aktuellen russischen Invasion um deutsche Waffen bettelte, lehnte Berlin diese ab und bot Kiew im Gegenzug Helme an.

Foto: Mikhail Klimentyev / Kremlin Pool / A, Profimedia.cz

Olaf Scholz (R) trifft sich am 15. Februar 2022 mit Wladimir Putin im Kreml.

Mit der Eskalation der russisch-ukrainischen Krise bröckelte das Vertrauen in Russland jedoch allmählich und zerbröckelte zu Staub, nachdem die russische Invasion in der Ukraine begonnen hatte. Viele Menschen waren von Putins Angriff schockiert. Auch Politiker selbst haben in jüngster Zeit in außerordentlich offener und manchmal sogar unverblümter Weise Gefühle der Enttäuschung und Frustration über die eigene Naivität und das eigene Versagen zum Ausdruck gebracht.

„Ich bin sehr enttäuscht von uns, weil wir historisch versagt haben. Nach Georgien, der Krim und dem Donbass sind wir völlig unvorbereitet auf das, was Putin tatsächlich droht“, schrieb die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer Bundesminister der Verteidigung bis Dezember Fast verzweifelt beklagte der Beitrag des Oberbefehlshabers der Bundeswehr, Alfons Mais, dass die Unterschätzung Russlands durch die deutsche Politik Auswirkungen auf die Kampffähigkeit des Militärs habe, die er als „mehr“ bezeichnete oder weniger veraltet“.

Aus Sicht der Tschechischen Republik kann es eine Art Genugtuung sein, dass diese Worte den postkommunistischen Ländern attestieren, die im Gegensatz zu den föderalen Republiken seit jeher viel vorsichtiger gegenüber Russland sind. Es war Deutschland, das in den 1990er Jahren nicht zögerte, die Einigung der Sowjetunion mit der Einigung des Landes zu erreichen, selbst um den Preis der Versicherung, dass der ehemalige sowjetische Satellit die Einladung zur NATO nicht annehmen würde. Glücklicherweise wurden diese mündlichen Zusagen nicht eingehalten, und nichts hat besser als der russische Angriff auf die Ukraine bewiesen, dass die Aufnahme Tschechiens und anderer Länder in der Region zwischen Deutschland und Russland in das Bündnis die richtige und weitsichtige Entscheidung war.

Putins Krieg zwang die Deutschen nicht nur zur Selbstreflexion, sondern auch dringend dazu, ihre alte Naivität gegenüber Moskau zu korrigieren. Die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz, die sich wegen der Präsenz von Sozialdemokraten und Grünen in der Koalition von militärischen Auseinandersetzungen im Ausland fernhalten soll, hat in den vergangenen Tagen gleich mehrere Durchbruchsschritte beschlossen. Nach dem Einfrieren des bereits fertiggestellten Gaspipeline-Projekts Nord Stream 2 genehmigte das Kabinett von Scholz am Samstag Waffenlieferungen an die Ukraine und stornierte schließlich Anträge auf Unterstützung der Abkopplung russischer Banken vom internationalen Zahlungssystem SWIFT.

Mit dieser Entscheidung ging die Zeit der deutschen Ostpolitik, die auf gegenseitiger Hilfeleistung und Vertrauen in Moskau beruhte, endgültig zu Ende. Jetzt muss Deutschland Putins Russland als europäischen Aggressor behandeln.

Krieg in der Ukraine

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Astor Kraus

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