Diplomatischer Streit zwischen der Ukraine und Deutschland

Deutschland und insbesondere Bundeskanzler Olaf Scholz sind in den vergangenen Monaten für ihre unentschlossene Reaktion auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine kritisiert worden. Kiew hat lange gegen die engen Beziehungen zwischen Berlin und Moskau protestiert, aber in den letzten Wochen eskalierte die Situation, als der ukrainische Botschafter Andriy Melnyk undiplomatisch Scholz als „Stirnrunzeln“ bezeichnete.

Vor einem Monat sollte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Kiew besuchen. Unterwegs sagten ihm ukrainische Beamte, er sei in der Metropole wegen seiner früheren Ansichten zur Kreml-Politik nicht willkommen. Daraufhin änderte Bundeskanzler Scholz seine Entscheidung, in die ukrainische Hauptstadt zu gehen. „So geht das nicht“, sagte er dem Sender ZDF. Deutschland habe der Ukraine erhebliche finanzielle und militärische Hilfe zukommen lassen, sagte er. „Dann kann man nicht sagen, dass der Präsident nicht kommen kann“, sagte der Regierungschef.

Das wiederum provozierte den ukrainischen Botschafter in Berlin Andriy Melnyk. Er bezeichnete die Kanzlerin als „beleidigte Leberwurst“, wörtlich „wütende Leberwurst“. „Dies ist der brutalste Vernichtungskrieg seit den Nazi-Angriffen auf die Ukraine. Wir sind nicht in einem Kindergarten“, antwortete Botschafter Melnyk.

Als Außenminister der SPD, der Olaf Scholz angehört, verfolgt Bundespräsident Steinmeier eine Politik der Annäherung an Russland. Und wie andere deutsche Politiker nahm er die Warnungen der Ukraine vor den Expansionsbestrebungen des Kremls nicht sehr ernst. Seit Beginn der Invasion verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Berlin und Kiew, weil die europäischen Mächte laut der Ukraine nicht stark reagierten, erinnerte die britische Tageszeitung. Zeit. Der Konflikt zwischen Steinmeier und Melny führte sogar dazu, dass die beiden Männer Konzerte und gesellschaftliche Veranstaltungen meiden, bei denen sie sich unterhalten würden.

Bundeskanzler Scholz beteuert, hinter der Ukraine zu stehen und sie durchaus zu unterstützen. Deutschland hatte sich jedoch lange geweigert, Kiew mit schweren Waffen zu beliefern, änderte seine Position aber erst Ende April. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht kündigte am Freitag an, dass Berlin sieben Panzerhaubitzen vom Typ PzH 2000 in die Ukraine entsenden werde.

Aufruhr zu Hause auf der Bühne

Auch die vorsichtige und langsame Reaktion Deutschlands, zumindest im EU-Vergleich, setzte die Bundesregierung unter Druck. Die derzeitige Außenministerin Annalena Baerbocková und ihre Grünen drängen auf eine härtere Haltung gegenüber Russland als die Kanzler-SPD. Der Chef der deutschen Diplomatie besuchte am Donnerstag Kiew, wo er sehr herzlich empfangen wurde.

Die Ukraine ist gefolgt Besuch auch der Chef der oppositionellen CDU/CSU, Friedrich Merz, der hier mit Präsident Wolodymyr Zelensky zusammentraf, oder Bundestagspräsidentin Brbel Basová. Daher sei es weiterhin möglich, dass die beiden wichtigsten Vertreter Deutschlands irgendwann in die Ukraine gehen, sagte Scholzy selbst am Freitag zu Scholz.

Kanzlerreise nach Kiew laut wöchentlicher Umfrage Spiegel die Hälfte der Deutschen hofft, 36 Prozent sind dagegen und 16 Prozent wissen es nicht. Abgesehen von den politischen Führern war die deutsche Öffentlichkeit über die russische Invasion gespalten. Die meisten Deutschen glauben, dass ihre Regierung der Ukraine mehr helfen sollte, aber eine bedeutende Minderheit glaubt, dass Berlin bereits zu viel tut.

Darüber hinaus befürchteten einige Deutsche, dass die Situation zu einem Atomkrieg eskalieren könnte, so die Times. Bezogen auf Studien Außerdem glaubte jeder fünfte Deutsche an eine pro-russische Verschwörung, und diejenigen, die behaupteten, die Ukraine sei ein Nazi oder die Nato seien schuld, waren auf den Demonstrationen.

Veränderungen auf internationaler Bühne

Eine Quelle aus der Bundesregierung sagte der Times, Scholz sehe die Beziehungen zu Moskau langfristig und sehe darin einen Konflikt zwischen Demokratie und Diktatur. Beispielsweise begann Deutschland, mehr in seine Truppen zu investieren, und unterstützte den NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens. Ebenso haben sie in den letzten Tagen Indien und Japan als mögliche westliche Verbündete in der Region um Unterstützung gebeten. Dem Krieg in der Ukraine gegenüber bleibt Delhi jedoch neutral.

In den vergangenen Monaten hat Deutschland seine Außenpolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs überdacht. Wegen der Schrecken, die sich während des Nazi-Regimes an der Ostfront ereigneten, wollte Berlin nie wieder in die Situation zurückkehren, in der es gegen die Sowjetunion kämpfen würde. Stattdessen verfolgte er eine wirtschaftliche Zusammenarbeit, die direkte Konflikte verhindern würde.

Ein wichtiges Element der wirtschaftlichen Verbindung zwischen Berlin und Moskau ist die Gaspipeline Nordstream 2, die von Russland auf dem Grund der Ostsee verläuft. Doch in der fertigen Pipeline floss am Ende kein Gas nach Deutschland, die Scholz-Regierung stellte das Projekt als Reaktion auf den russischen Einmarsch ein. Berlin unterstützt auch die Abkopplung mehrerer russischer Banken vom internationalen SWIFT-System und verhängt zusammen mit anderen Ländern der Europäischen Union strenge Sanktionen gegen den Kreml.

Video: Deutschland schickt endlich Panzer in die Ukraine. Ist Scholz als Kanzler gescheitert?

Die Gäste waren der ehemalige Europaabgeordnete für Deutschland Milan Horáček, der Reporter Tomáš Vlach, der Regisseur Vít Neznal, der Puppenspieler Jakub Folvarčn und der Biochemiker Martin Toul | Videos: Daniela Drtinová, Michael Rozsypal

Astor Kraus

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