„Die Welt“: Das Ende der Höflichkeit – Angela Merkel hat die Geduld mit Polen verloren

„Polen, mit Abstand einer der zentralen Partner Deutschlands in der EU, wird von den Berliner Behörden nicht bevorzugt. Die wichtigsten Regierungskonsultationen fallen in diesem Jahr – vielleicht auf Geheiß der Kanzlerin – von der Tagesordnung “ – schreibt der Warschauer Korrespondent „Die Welt“ Philip Fritz. Seine Kommentare erschienen in der Samstagsausgabe der deutschen Zeitung.

Das Fehlen zwischenstaatlicher Konsultationen wird von polnischer Seite als Beleidigung empfunden, zumal die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Abkommens über eine gute Umwelt und freundschaftliche Zusammenarbeit zum 30. Mal jährt. „Statt den polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki nach Berlin einzuladen, schickte die deutsche Seite Bundespräsident Frank Walter Steinmeier nach Warschau, der nur ein kurzes Programm hielt und eine Rede hielt. Aus polnischer Sicht war es der Abstieg“, heißt es in Die Bilur.

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Schäden in den polnisch-deutschen Beziehungen

„Diese Situation zeugt vom Zusammenbruch der deutsch-polnischen Beziehungen“ – urteilt der Autor. Die Wirtschaftsbeziehungen seien ausgezeichnet, schreibt er: Polen sei einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, Deutschland sei Polens Handelspartner Nummer eins. „Aber in der Politik reden die beiden Seiten offensichtlich nicht viel miteinander“, sagte Fritz. Aufgrund des Abbaus des Rechtsstaats und der Diskriminierung sexueller Minderheiten galt Polen lange Zeit nicht als konstruktiver Partner in der EU. Dennoch hat sich die Bundesregierung bislang an diese Standards gehalten. Merkel und Außenminister Heiko Maas halten sich mit ihrer Kritik deutlich zurück.

Fritz erklärte, dass sich die deutschen Behörden darum bemühen, dass der Rechtsstaatskonflikt nicht zu einem polnisch-deutschen Streit wird, sondern auf EU-Ebene stattfindet. Der Erfolg in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist von zentraler Bedeutung für die bilateralen Beziehungen. Der Autor erinnert sich an ein aktuelles Interview des CDU-Generalsekretärs Paul Ziemak für den „Tagesspiegel“, in dem sich ein deutscher Politiker für eine Zusammenarbeit mit Polen beim Bau von Windparks und die Bildung einer deutsch-polnischen Militärbrigade aussprach.

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Antideutsche Kampagne der polnischen Staatsmedien

Die geschlossene Haltung Berlins gegenüber Rechtsstaatlichkeit und Vorbringen von Wirtschaftsthemen sei von den polnischen Staatsmedien nicht positiv bewertet worden, so Fritz. „Jahrelang haben sie in ihrem Wahlkampf die Regierung in Berlin als von der Welt abgekoppelt, linksliberal, machtgetrieben und antipolnisch dargestellt“, schrieb Fritz und erinnerte daran, dass Präsident Andrzej Duda im vergangenen Jahr Deutschland sogar der Einmischung vorgeworfen hatte der Wahlkampf vor der Wahl in Polen.

Die gestiegene Stimmung seit dem Sieg der PiS bei den Parlamentswahlen 2015 hat die Beziehungen zwischen Gesetzgebern, Ministern und Diplomaten angespannt. Hinzu kommen ernsthaft kontroverse Themen wie Nord Stream 2, Forderungen nach Kriegsschäden und neuerdings Pläne zum Bau von zwei Atomkraftwerken in Grenznähe. „Deutschland hat Polen anscheinend wegen Verlusten als europäischen Partner abgesetzt“ – urteilte der Journalist „Die Welt“ unter Berufung auf die Meinung von Abgeordneten und Diplomaten.

Der Autor zitiert den SPD-Abgeordneten Dietmar Nietan, der auf beiden Seiten „das Ende der Höflichkeit“ sieht. Allerdings rieten die deutschen Sozialdemokraten, die seit vielen Jahren an der Einigung zwischen Deutschland und Polen beteiligt waren, der deutschen Seite zur Vorsicht. „Die Regierung in Warschau und ihre Unterstützer dürfen nicht mit ganz Polen verwechselt werden“, mahnte Nietan.

SPD-Abgeordnete unterstützen die Wiederbelebung des Wertedialogs auf parlamentarischer Ebene. Die Sozialdemokraten warnten ihre Genossen, sich im Verhältnis zu Polen nicht „lächerlich“ zu machen. Er erinnert daran, dass Deutschland sich nicht die Mühe gemacht habe, Polen in die Projekte Nord Stream 1 und 2 einzubeziehen: „Wir können natürlich nicht akzeptieren, dass ein Land die Werte der Europäischen Union mit Füßen tritt“, erklärt Nietan. Allerdings muss seiner Meinung nach der richtige Ton der Kritik gefunden werden, und dieser scheint zu fehlen.

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Nationalistische Tendenzen auf polnischer Seite

„Die Atmosphäre ist vergiftet“, urteilte der deutsche Abgeordnete, der anonym bleiben wollte. Die Beziehungen zu Polen seien ihm zwar sehr wichtig, aber es gebe leider „fast keinen Ansatzpunkt“. Wie er betonte, seien in Gesprächen mit polnischen Amtskollegen seit Jahren „starke nationalistische Tendenzen“ zu beobachten. „Das ist sehr unangenehm“ – betonte der Abgeordnete, zitiert von Die Welt.

Fritz erinnert sich an eine kürzliche Rede des polnischen Botschafters Andrzej Przyłębski im Brandenburgischen Landtag. „[Dyplomata – red.] er nutzte diese Gelegenheit, um offen mit den deutschen Medien umzugehen. Es war ein Skandal, Brandenburgs Abgeordnete waren schockiert“, las Die Welt.

Fritz erinnerte auch daran, dass der neue deutsche Botschafter mehrere Monate auf die Genehmigung zum Amtsantritt in Warschau warten müsse und dass Deutschlands Hilfsangebot bei der Bekämpfung der Pandemie von Polen als Einmischung in die polnischen Angelegenheiten anerkannt und abgelehnt worden sei. Die Abkühlung der polnisch-amerikanischen Beziehungen nach der Machtübernahme durch Joe Biden hat sich laut dem Journalisten „Die Welt“ auch auf die deutsch-polnischen Beziehungen ausgewirkt.

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Für welches Projekt wird Polen benötigt?

„Polen ist Trumps liebster europäischer Partner, der das Ansehen der Autorität in Warschau in den Augen anderer Europäer erhöht, insbesondere wenn es um die Kontaktaufnahme mit Washington geht. Nun muss sich Warschau langfristig auf Deutschland konzentrieren. Hier [w Berlinie – red.] Immer häufiger stelle sich die Frage, welches politische Projekt Polen brauche, „lesen wir in der „Welt“.

Die Ostpolitik könnte ein solcher Bereich der Zusammenarbeit sein. Der Grünen-Abgeordnete Manuel Sarrazin tadelte die Bundesregierung, die Sicherheitsinteressen Polens nicht immer ernst zu nehmen, auch die Bedrohung durch Russland. Polen nahm den Vorschlag des Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck zur Kenntnis, Waffen in die Ukraine zu schicken, aber auch die Tatsache, dass die Partei ihre Position rasch änderte.

„Der fehlende Wille, die polnisch-deutschen Beziehungen zu verbessern, hat sich von der politischen Ebene auf die Ministerebene verlagert“, schrieb der Journalist „Die Welt“. Polnische Experten zögerten, das Projekt mit Deutschland zu starten, da sie befürchteten, dass ein solcher Schritt nicht genehmigt würde. „Wie Sie sehen, funktioniert der Ton der Staatsmedien“, schloss Fritz.

Artikel kommt von der Seite deutsche Welle

Adelmar Fabian

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