„Die Hooligan-Kultur ist in Deutschland tief im Fußball verwurzelt“

Bei Zusammenstößen zwischen Nizza-Anhängern und Kölner Ultras an der Allianz Riviera in Nizza wurden kurz vor Beginn des Europa-League-Konferenzspiels zwischen den Mannschaften der beiden Klubs mindestens 32 Menschen verletzt, darunter einer schwer. . Der Anpfiff des Fußballspiels verspätete sich um fast eine Stunde, und es wurde eine Untersuchung eingeleitet, um die Täter der Gewalt zu identifizieren.

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Laut Historikern und Soziologen Sebastian Ludwigdie kultur des rowdytums ist in deutschland tief verwurzelt, aber spezialisten dieser ultra-bewegung begrüßen den pragmatischen ansatz, der jenseits des rheins im support-management praktiziert wird.

Wer waren die deutschen Unterstützer, die am Donnerstag an der Allianz Riviera in Nizza beteiligt waren?

Sie waren größtenteils Mitglieder der Wilden Horde [« la horde sauvage »], eine Gruppe, die die Kölner Fantribüne betreibt, ist seit 1996 aktiv. Daneben gibt es weitere kleinere Gruppen. In Köln, wie in ganz Deutschland, Szene-Fans [groupes de supporteurs] ziemlich komplex.

Die Ultra-Bewegung kam vor einem Vierteljahrhundert – also viel später als in Frankreich – nach Deutschland und nahm erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts so richtig Gestalt an. Bis zur Wende der 1990er Jahre waren radikale Unterstützer in Deutschland Hooligans, die für die sehr schwere Gewalt der 1980er Jahre verantwortlich waren.

Anschließend übernahm die Ultra-Bewegung das Rowdytum mit einer anderen politischen Position. Wenn Hooligans mit der extremen Rechten auf Tuchfühlung gehen, zeigen die meisten deutschen Ultras progressivere Werte, sogar Antirassismus, Antihomophobie usw.

In Köln, wie auch anderswo in Deutschland, gesellt sich manchmal die ältere Generation der Hooligans zur neuen Generation der Hooligans. Der deutsche Soziologe Gunter A. Pilz spricht von „Hooltras“ – einer Synthese aus Hooligans und Ultras. Wir beobachten manchmal Ultras, die sich wie Hooligans benehmen. Noch heute gibt es in Deutschland in fast jedem Club Hooligans, weil es eine sehr tief verwurzelte Kultur ist.

Mehr als in England?

Ohne zu zögern. Deutschland hat eine der stärksten Hooligan-Kulturen in Westeuropa. Ostklubs, zum Beispiel Lokomotiv Leipzig – wir sprechen hier von der vierten Liga – haben ein großes Rowdytum-Problem. Selbst in scheinbar unproblematischen deutschen Kleinstädten gibt es einen Kern von Hooligans.

Wie ist die Anwesenheit eines deutschen Ultras in Nizza zu erklären, der aus Stadien in Deutschland verbannt werden soll?

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Senta Esser

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