Die erste Fahrt mit der neuen Evetta: Süß muss der Verehrer sein, sonst verliert er seine Würde

Eine moderne Version der berühmten Nachkriegs-Isetta fährt mit Strom und kann mit einer einzigen Ladung 200 Kilometer durch die Stadt fahren. Im Sommer will der Hersteller ein Reservierungssystem eröffnen, erste Interessenten sehen das fertige Auto aber erst im nächsten Jahr. In der Tschechischen Republik wurde ein Vertriebsnetz aufgebaut.

Die Franzosen mussten nachbessern, die Navigation in der modernen Peugeot-Firma Akcurate im niedersächsischen Rosdorf war und war nicht zu finden. „Ihr Ziel ist auf der rechten Seite“, verkündete er selbstbewusst, obwohl das Holzgebäude mit nichtdeutschem Gras drumherum nicht so aussah, als ob es die neu gegründete Elektrofahrzeugmesse Electric Brands beherbergen sollte.

Die Situation wurde durch Google Maps gerettet, das das Auto präzise zum Neubau außerhalb der Stadt dirigierte. Der renommierte Hersteller von Dachfenstern und Cabriolet-Dachmechanismen macht ab dem kommenden Jahr „Abitur“. Er wird hier die Evetta montieren, deren Produktion nach mehreren Umbauten im nächsten Jahr endlich anlaufen wird. Bagger stehen schon herum, weitere Hallen werden hier gebaut.

„Sie sind Journalistin aus Tschechien“, begrüßte mich die Gastgeberin am Empfang und erklärte, dass sie auf das Aussehen von Ausländern achte. Ein Vertreter der ausländischen Presse ist wegen des Exoten hier, selbst die Massen einheimischer Journalisten strömen in den Ferien nicht wirklich hierher. Da war die Lokalzeitung, das Fernsehteam von SAT 1 und die Ankunft des Redakteurs der Zeitschrift Autobild, der auf einer Autobahn bei Frankfurt feststeckte.

Es dauerte eine Weile, bis unser Eingeborener begriff, was er hier wirklich erlebte. In der geräumten Halle waren drei Versionen des Evetta-Kinderwagens, mehrere medienfreundliche Versionen des XBUS-Mikrobusses sowie eine Ausstellung des NITO-Rollers und Elektrorollers, die wiederum aus Italien stammen.

Der Geschäftsführer des Business-Netzwerks, Frank Mottie, versucht Licht ins Dunkel zu bringen: Seine Firma Electro Brands hat im April den Autobauer Artega übernommen, der unter dem Namen Karo eine elektrische Isetta vorbereitet. Das unabhängige offizielle Unternehmen XBUS und sein gleichnamiger Bus sind eigentlich Tochterunternehmen, während Electro Brands einen exklusiven Vertriebsvertrag mit dem italienischen Elektrorollerhersteller NITO hat. „Für neue Projekte suchen wir weitere Partner“, versicherte Frank Mottie und fügte hinzu, dass die größte Herausforderung für das Unternehmen der Ausbau der Produktionskapazität sei. Die ersten 5.000 Evetty-Serien können von der Firma Akcurate vor Ort bestellt werden, aber die geplanten 30.000 Einheiten bis 2024 reichen kaum aus.

Finde elf Unterschiede

Wer beim Anblick von Evetta schwören würde, etwas Ähnliches schon einmal irgendwo gesehen zu haben, konnte sich nicht irren. Die Idee, das Modell wiederzubeleben, das BMW im Nachkriegsdeutschland vor dem Bankrott bewahrte, stammt ursprünglich von zwei Geschäftspartnern. Nach dem Streit trennten sie sich voneinander, aber keiner von ihnen wollte Isetty gehen lassen. Die Gerichte haben ihren Streit Solomonic beigelegt: Man kann beides machen, wenn sich die Autos um mindestens 11 Punkte unterscheiden.

„Und wir haben es problemlos befolgt“, sagt Frank Mottie und merkt an, dass sein Schweizer Konkurrent Microlino auf einen futuristischen Mantel setzt, während die Evetta eher am ursprünglichen Design festhält. Allerdings will sich Electro Brands vor allem durch sein weitreichendes Service- und Vertriebsnetz von seinen Mitbewerbern absetzen. Insgesamt 800 Servicepartner in ganz Europa sollen die Kunden bedienen.

Allein in Tschechien, wo noch nie Getreide für Kleinwagen gewachsen war, gab es laut Frank Mottie ein Netz von zwölf Händlern. Auf die Frage, ob er versehentlich einen Fehler gemacht habe, verifizierte er die Angaben dennoch am Telefon. „Ja, wirklich zwölf. Unser Ziel ist ein Händler im Umkreis von 25 Kilometern.“

Während die Verkäufer gespannt auf den ersten Schnitt warten, haben die Designer noch viel Arbeit an der Evetta. „Wer eine Ladesteckdose unter die Heckscheibe baute, brauchte nicht viel Einfallsreichtum“, sagt Artega- und XBUS-Gründer Ralf Heller. „Wenn es regnet, fließt Wasser hinein.“

Die in den letzten drei Wochen bereits unter der Leitung von Electro Brands entstandene Version ohne Dach hat daher eine versteckte Schublade in der Aussparung unter dem Nummernschild. Als der Benzintank noch Teil der Deformationszone der Karosserie war, hatten Autos an gleicher Stelle den Einfüllstutzen.

Die finale Version des Fahrzeugs wartet außerdem mit einer verbesserten Hinterradspur und einer Lösung für elektrische Türöffnungen auf, die den problematischen Gas-Flüssigkeits-Puffer ersetzen sollen. Was im Fall der Evetta, wo der gesamte große Bogen, einschließlich des Lenkrads, beim Einsteigen hochklappt, eine ziemlich herausfordernde Aufgabe ist. Denn auch die Öffnung für die rechtsgelenkte Version muss entwickelt werden. Ganz zu schweigen von der korrekten Anordnung und Prüfung von Hinderniserkennungssensoren rund um das Auto.

In der Stadt ja, auf der Autobahn super

Während die Details noch verfeinert werden müssen, hat der Autohersteller bereits einen funktionierenden Prototypen. Und darin bietet er Journalisten einen kurzen Rundgang über das Firmengelände.

Keiner von uns wusste vorher, wie viel Spaß es machen würde, wenn eine ungeübte Person versuchte, auf den Vordersitz der Evetta zu steigen. Vergessen Sie die Werbung für ein Foto einer lächelnden Schönheit, das von einem lässigen jungen Mann angeboten wird – eine Praxis, die dem Klettern eines Bären in eine Höhle ähnelt. Wer in diesem Moment nicht über sich selbst lachen konnte, würde sich bald in einem endlosen Nebel der Scham verlieren.

Im Inneren des Evetty erwartet Sie ein zweisitziger Innenraum in seiner essentiellen Form, der jedoch für zwei sehr geräumig ist. Die Evetta ist 2,49 Meter lang, das ist übrigens nur ein Zentimeter weniger als der erste Smart.

Denn wenn Electric Brands CEO Martin Henne über die Vorteile der Evetta sprach, vergaß er nicht, auf die Möglichkeit hinzuweisen, dort zu parken, wo andere Autos längs parken müssten. Das war früher das Argument des Smart City Coupés; Dieser Vorteil ging jedoch nach der zweiten Generation mit längerer Karosserie verloren.

Dank des geräumigen Innenraums fühlen sich die Passagiere in der Evetta nicht so verletzlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Der Abstand vom Sitz zur Windschutzscheibe ist relativ groß, hinter der Lehne ist Platz für den Kofferraum – hier ist das Auto merklich länger als in der Gegenrichtung.

Evetta Prima

Motor: Synchron mit Permanentmagnet
Leistung: 12 kW / 16 PS
Drehmoment: Daten nicht verfügbar
Akku: Li-Ion, 14 oder 18 kWh, je nach Ausführung
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: Daten nicht verfügbar
Kombinierter Verbrauch: 7 kWh / 100 km
Kofferraumvolumen: 280 l
Belastbarkeit (Standby/Nutzung): Daten nicht verfügbar
Preis: ab 400.000 CZK

Die Beschleunigung der Evetta ist elektrisch flott, aber die über den Hinterrädern angesiedelte bescheidene Motorleistung zählt vor allem im Stadtverkehr. Wenn es jedoch seine Grenzen überschreiten würde, wäre es kein Verkehrshindernis. Theoretisch kann er auch auf der Autobahn die Höchstgeschwindigkeit wagen, die das Fahrzeug zulässt.

Diese kurze Fahrt verrät nicht viel über das Auto, vielleicht nur, dass das ausgeprägtere Geräusch des Antriebsstrangs etwas mehr Aufmerksamkeit von den Designern verdient. Und auch, dass das äußere Erscheinungsbild amerikanischer Kühlschränke aus den 1950er Jahren rein zufällig ist.

Evettys Vorpremiere findet nur drei Sonntage statt, nachdem Spin-Off-Rivale Microlino nach langer Verzögerung endlich den Start der Serienproduktion bekannt gegeben hat. Auch im Fall von Evetta dauerte die Realisierung des gesamten Projekts länger, als sich Firmengründer Ralf Haller vorgestellt hatte.

Aber wenn jetzt alles gut geht, könnte die Kleinserienproduktion bereits im nächsten Jahr beginnen. Händler sind für alle Eventualitäten gerüstet.

Reinhilde Otto

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