Deutschland steht vor dem Dilemma, die Olympischen Spiele in Peking zu boykottieren

Annalena Baerbock, Chefin der deutschen Diplomatie und Vorsitzende der Grünen. / AFP

Außen- und Innenminister kündigten an, bei den Olympischen Spielen nicht dabei zu sein, Bundeskanzler Scholz vermied offizielle Äußerungen

JOANA SERRA Korrespondent. Berlin

Bundeskanzler Olaf Scholz ist der Frage, ob sich Deutschland dem von den USA angekündigten diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in China anschließt, immer wieder ausgewichen. Er versteckte sich, als er zum ersten Mal um eine Antwort gebeten wurde, zwei Tage vor seiner Ernennung, was er aufgrund seiner Regierungsverantwortung nicht hätte tun dürfen. Am 10. Dezember, bei seinem ersten Besuch als Außenminister in Paris, vermied er es, dieselbe Frage zu beantworten, während Präsident Emmanuel Macron die Wirksamkeit des Boykotts in Frage stellte.

Zwei von Scholzs Ministern, der Außenminister und der Innenminister, haben gesprochen. «Ich bin ein grosser Sportfan. Aber ich werde definitiv nicht zu dieser Olympiade gehen“, sagte Annalena Baerbock, Chefin der deutschen Diplomatie und Vorsitzende der Grünen, ehemalige Profiturnerin und mit drei nationalen Bronzen auf dem Trampolin.

Auch die Innenministerin Nancy Faeser von den Sozialdemokraten wird nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen, die auch Sport beinhalten werden. Die Pandemie-Situation habe diesen Schritt verhindert, erklärte der Ministeriumssprecher.

Die Entscheidung von Baerbock liegt in seiner persönlichen Eigenschaft und wirft keine größeren protokollarischen Probleme auf, da es nicht in seiner Verantwortung liegt, Deutschland bei einer solchen Veranstaltung zu vertreten. Faeser musste aufgrund seiner Position nach China gehen und seine Scholz-Kollegen vertreten. Oder bei Bedarf an den Außenminister delegiert.

Da die Vereinigten Staaten aufgrund der Menschenrechtslage in China ihren Boykott angekündigt haben, dürfte eine Erklärung der Bundesregierung im Einklang mit ihrem wichtigsten transatlantischen Verbündeten stehen. Baerbock, die erste Auswärtige Amtsinhaberin in Deutschland, hat ihre Ungeduld gezeigt, ihre Position zu betonen. Vor allem in Bezug auf China und Russland. Als Verfechter von „Dialogbrücken“ und wirtschaftlichen Interessen verteidigte er nach seinem Amtsantritt sein Ziel, bei den Menschenrechten klarere Linien zu ziehen als die bisherigen Führungskräfte von Angela Merkel.

Achse mit USA

Schon dort wurde Baerbock an Scholzs Sozialdemokratische Partei (SPD) erinnert, dass es nicht in seiner Macht liege, die Konturen der deutschen Außenpolitik zu markieren. Es geht direkt an den Kanzler, nicht an seinen Diplomatiechef.

Die Position Deutschlands wird nicht klar sein, solange Scholz die Frage vermeidet Die Gesundheit der transatlantischen Achse gehört zu den traditionellen außenpolitischen Prioritäten Deutschlands. Nicht nur jetzt, mit Joe Biden in der Präsidentschaft, sondern auch in komplexen Zeiten, als Donald Trump das Weiße Haus besetzte und es an Merkel lag, das Grobe anzugehen, seien es formale oder inhaltliche oder wirtschaftliche Interessen.

Aber stärker war die deutsch-französische Achse. Berlin könnte sich über einen diplomatischen Boykott mit anderen europäischen Partnern lustig machen. Allerdings wird es Scholz schwerfallen, mitzumachen, solange Macron die „Wirksamkeit“ des Boykotts in Frage stellt.

Senta Esser

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