Was die Bundestagswahl zeigt: der historische Sturz der CDU, die Ernüchterung der Grünen und der Aufstieg der SPD

Deutschland hat eine der ausgewogensten Wahlen der Geschichte und sicherlich die engste seit 2005, als die Christdemokraten die Sozialdemokraten nur um ein Prozent besiegten. Auch in diesem Jahr ist der Unterschied gering, nach Schätzungen hat sich die SPD gegen CDU/CSU durchgesetzt. Wir bieten eine direkte Reflexion der ersten Einschätzungen und vorläufigen Ergebnisse. Ein Überblick über das, was wir bisher wissen und was sich aus den bisherigen Fakten ergibt.

1. CDU ist die Schlimmste der Geschichte

Obwohl Angela Merkel nach sechzehn Jahren im Kanzleramt meist bewertet wurde Deutsch Auf die Ergebnisse seiner Christlich-Demokratischen Partei (CDU/CSU) hatte es auf der positiven Seite wenig Einfluss. Etwa fünfundzwanzig Prozent der Stimmen zu bekommen, war ein historischer Fehlschlag. Seit 1953 hatte die Partei nie weniger als dreißig Prozent, weder zu Zeiten der Bundesrepublik noch seit der Wiedervereinigung 1991.

Der vom Kanzler berufene Armin Laschet gibt sich unzufrieden ein, obwohl zumindest ein Schwachpunkt der Christdemokraten darin bestehen könnte, dass die Sozialdemokratie keine linke Koalition mit den Grünen und der Linke bilden kann.

„Laschet hat ein Ergebnis erzielt, das für die CDU eine historische Katastrophe ist“, sagte Julian Reichelt, politischer Kommentator der meistgelesenen deutschen Tageszeitung Bild.

2. Die Sozialdemokratie ist von den Toten auferstanden

Nach einer Serie von Niederlagen, die 2002 begann, ging die Unterstützung für die Sozialdemokraten (SPD) in Deutschland zurück. Obwohl sie keine kleine Partei wie die Sozialisten in Frankreich wurden, wurde ihre Wählerschaft zerschlagen, als die Partei in Industriegebieten wie dem Ruhrgebiet die Stimme der traditionellen Arbeiter verlor. Auch der Verbleib in einer großen Koalition mit der CDU als schwächerem Partner scheint der Partei zu schaden.

Das diesjährige Ergebnis (vielleicht ein knapper Sieg) ist eine gewisse Genugtuung, zeigt sich doch, dass die SPD ein wichtiger Akteur bleibt. Im Wesentlichen wehrte sie Angriffe der Grünen ab, die Deutschlands größte linke Partei werden wollen.

Aber eine Regierungsbildung erfordert Kompromisse, und wenn die SPD nicht mit der FDP übereinstimmt, kann sie trotzdem in der Opposition landen. Noch ist nicht klar, wer amtierender Bundeskanzler wird.

3. Die Grünen haben die Geschichte nicht umgeschrieben

Irgendwann in diesem Jahr führten die Grünen die Umfragen an, und es sah nach einem großen Durchbruch aus. Zum ersten Mal gewinnen sie Wahlen in einem EU-Mitgliedstaat, direkt im bevölkerungsreichsten Land.

Dies geschah jedoch nicht, sie erhielten etwa fünfzehn Prozent der Stimmen, was eine große Enttäuschung war. Warum so wenig? Vielleicht haben einige Deutsche Angst vor der großen Veränderung oder sind entmutigt von den Ungereimtheiten, die die Medien in der offiziellen Biografie von Parteichefin Annalena Baerbock aufwerfen. „Wir wollten mehr. Das ist uns nicht gelungen, auch wegen Fehlern zu Beginn der Saison. Ich habe Fehler gemacht“, sagte Baerbock kritisch.

Aber es kann die Grünen trösten, dass sie bei der Landtagswahl in Berlin erfolgreich waren und mit den Sozialdemokraten um den ersten Platz konkurrierten.

4. Ganz rechts bleibt am Rand

Bei der letzten Wahl 2017 wurde Migration zu einem großen Thema und zur Frage, ob die Regierung von Angela Merkel erfolgreich war oder nicht. Erstmals kam die Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag, die sich gegen Flüchtlinge wandte und behauptete, Deutschland sei mit der Ankunft Hunderttausender Muslime islamisch geworden.

Einige Kommentatoren erwarten, dass sie eine starke Partei wird, da Migrations- und Islamfragen in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnen. Aber sie lagen falsch: Die AfD schwächelte und erhielt rund elf Prozent der Stimmen, weniger als vor vier Jahren. Migration und Islam sind nicht die Hauptthemen der Wahl, und rechte Parteien werden keinen Einfluss auf die Regierungsbildung haben. In Sachsen, dem an die Tschechische Republik grenzenden Bundesland, bleibt sie jedoch stark.

5. Liberale sind wieder wichtig

Die Freie Liberaldemokraten (FDP) waren in den 1980er und 1990er Jahren ein wichtiger Bestandteil der Regierungskoalition und von 2009 bis 2013 in der zweiten Regierung von Angela Merkel. Doch dann gelangte sie nicht in den Bundestag und überschritt kaum die 5 %-Marke des Vorjahres. Wahl.

Aber die Abstimmung am Sonntag bedeutet eine Rückkehr zur Bedeutung. Die FDP erhielt rund zwölf Prozent der Stimmen und konnte wählen, ob sie eine Koalition mit den Sozialdemokraten oder den Christdemokraten bildete.

Parteichef Christian Lindner hat angedeutet, dass ihm die CDU/CSU näher steht. In seiner ersten Reaktion auf den erwarteten Wahlausgang sagte er, seine Partei favorisiere die sogenannte jamaikanische Koalition mit CDU/CSU und den Grünen. Das wollte er vorher mit den Grünen besprechen und hat angedeutet, dass er den Sitz des Finanzministers gewinnen will.

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In Deutschland gelte er als ganz anders als in Tschechien, als pragmatischer Politiker, manchem sogar skrupellos und zu flexibel, sagt ein tschechischer Fernsehkorrespondent. | Video: Michael Rozsypal

Adelmar Fabian

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