synthetische Kerosinanlage für Lufthansa

Ende August gab das deutsche Unternehmen Lufthansa bekannt, dass sich sein neues Werk in Werlte in der Ems (Niedersachsen) nun in der Produktions- und Vermarktungsphase befindet, nachdem die ursprüngliche Struktur Ende letzten Jahres eingeweiht wurde. Die Produktionsstätte wird von Atmosfair, einer 2005 gegründeten Non-Profit-Organisation, die sich auf CO2-Ausgleichssysteme spezialisiert hat, verwaltet, die zusammen mit der Werksleitung von Werlte ihr Umweltengagement diversifiziert.

Komplexer Prozess

Innerhalb der großen Familie der Biokraftstoffe oder nachhaltigen Flugkraftstoffe ist die Produktionswahl des Werks Werlte synthetisches Kerosin (oder „E-Kerosin“), das durch Elektrolyse von Wasserstoff hergestellt wird. Der eingesetzte Strom wird aus der Luftturbinenanlage und Solaranlagen erzeugt, was die Nachhaltigkeit der Herkunft der dabei eingesetzten elektrischen Energie sicherstellt. Durch Elektrolyse (ein vom Atmosfair-Partner Siemens Energy geleiteter Schritt) werden die im Wasser vorhandenen Wasserstoff- (H) und Sauerstoffmoleküle (O2) chemisch getrennt. Gleichzeitig wird CO2 direkt aus der Atmosphäre abgeschieden. Dann kam das von den beiden deutschen Chemikern Franz Fischer und Hans Tropsch in den 1920er Jahren entwickelte Syntheseverfahren zur Neuzusammensetzung von Wasserstoff- und Kohlendioxidmolekülen, die durch das Fischer-Tropsch-Verfahren kombiniert wurden: Bei Temperaturen von 150 bis 300 °C scheinen Kohlenwasserstoffketten zu entstehen Stoff sein, Kraftstoff, der weiter zu synthetischem Kerosin veredelt werden muss, das für den Luftverkehr verwendet werden kann. Die endgültige Umwandlung erfolgte in der Raffinerie Heide im schleswig-holsteinischen Lieth. Anschließend wird das synthetische Kerosin zum Flughafen Hamburg International transportiert. Dieser gesamte Vorgang wird auch als „PtL“-Betankung („Power-to-Liquid“) bezeichnet. Die Lufthansa Group ist nicht nur Partner in diesem Pionierprojekt, sondern auch der erste Kunde, der diesen aus Strom erzeugten Paraffintreibstoff bezieht. Die Airline-Gruppe hat sich verpflichtet, in den nächsten fünf Jahren mindestens 25.000 Liter Ptl-Treibstoff pro Jahr zu beschaffen. Damit leistet die Lufthansa Group einen wichtigen Beitrag zur Produktion von PtL in Deutschland und zur Förderung der Nutzung von PtL als Kraftstoff. Derzeit befinden sich diese strombasierten Kraftstoffe noch in der Entwicklungsphase zur industriellen Produktion, bieten aber langfristig eine gute Alternative zu konventionellen Paraffinkraftstoffen oder SAF (Sustainable Aviation Biofuels), da sie ohne Verfügbarkeitsbeschränkung produziert werden können. „Die Airlines der Lufthansa Group konzentrieren sich seit vielen Jahren auf die Erforschung und Nutzung von SAF. Wir sind derzeit der größte Kunde in Europa. Synthetischer Kraftstoff aus erneuerbarer Energie ist Kerosin der Zukunft. Sie ermöglichen klimaneutrales Fliegen. Mit der Partnerschaft mit Atmosfair geht die Lufthansa Group einmal mehr voran und setzt starke Impulse für die Ptl-Produktion“, sagte Christina Foerster, Mitglied des Vorstands der Deutschen Lufthansa AG.

Starke Partnerschaft zur Unterstützung von PtL

Für den ersten Volumeneinsatz sind Lufthansa Cargo und Kühne+Nagel Logistics eine exklusive Partnerschaft eingegangen, um den Einsatz von synthetischem Kerosin zu fördern. Am 14. April hob eine Boeing 777F Cargo in der neuen Co-Branding-Lackierung von Lufthansa und Kühne+Nagel mit den Doppelbezeichnungen „Flying to a CO2-neutral Future“ und „Power-to-Liquid Sustainable Aviation Fuel“ nach Seoul ab. (nachhaltiger Flugkraftstoff PtL). „Wir freuen uns, unser gemeinsames Engagement mit Hilfe unseres weltweiten Cargo-Carrier-Einsatzes visuell auszudrücken und zu bewerben. Eine nachhaltige und erfolgreiche Transformation des Güterverkehrs kann nur gelingen, wenn die Stärken starker Partner gebündelt werden. Deshalb sind wir sehr stolz, Kühne+Nagel an unserer Seite zu haben, um uns bei dieser zukunftsweisenden Technologie zu unterstützen“, sagt Dorothea von Boxberg, Geschäftsführerin von Lufthansa Cargo. „Mit der neuen Boeing 777F in der Lackierung von Kühne+Nagel setzen wir ein starkes Zeichen für das Engagement des Unternehmens für nachhaltigen Luftfrachttransport. Daran sehen wir auch großes Interesse für unsere Kunden, die CO2-Emissionen ihrer Fracht weltweit vermeiden oder begrenzen möchten, und das synthetische nachhaltige Flugkraftstoffprojekt mit Lufthansa Cargo ist von größter Bedeutung für unsere gemeinsame Mission. “, ergänzte Yngve Ruud, Mitglied der Geschäftsführung von Kühne+Nagel, zuständig für Luftlogistik.

„Lufthansa Cargo wird erstmals PtL-Kraftstoff (SAF der dritten Generation) im industriellen Maßstab liefern und so Innovationen und bahnbrechende Fortschritte im Bereich nachhaltiger Kraftstoffe unterstützen. Gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation Atmosfair fördern wir den Markteintritt des CO2-neutralen Industriekraftstoffs PtL made in Germany. Trotz des sehr hohen Preises pro Tonne (Anmerkung: drei- bis fünfmal teurer als herkömmliches Kerosin) unterstützen wir den sehr innovativen Ansatz von Atmosfair“, ergänzt Dorothea von Boxberg. „In der Erforschung und Nutzung synthetischer Kraftstoffe sehen wir ganz klar den Schlüssel zu nachhaltigen Emissionsminderungen aus unserem Flugbetrieb. Dass wir mit Kühne+Nagel Vorreiter beim Einsatz der PtL-Technologie sind, macht uns sehr stolz und zeigt einmal mehr, dass wir uns der Herausforderung Klimaschutz aktiv stellen“, ergänzte er. „PtL steht erst am Anfang der Industrialisierung. Außerdem soll noch eine größere Fabrik gebaut werden. Langfristig wird PtL jedoch die wichtigste nachhaltige Kraftstoffquelle sein, wobei wir nicht davon ausgehen, dass wir erst in zehn Jahren über signifikante Mengen verfügen werden. Es wird noch einige Zeit dauern, bis „biogene“ Kraftstoffe obsolet werden.“

Rafael Frei

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