„Wir müssen nicht tun, was wir getan haben. » Als der Einbürgerungsbeauftragte der Deutschen Botschaft in London am Ende eines Treffens mit J., einem renommierten britischen Historiker, diesen Satz unterbrach, stiegen diesem die Tränen in die Augen. „Es war so sanft und berührend, dass meine Stimme brach. Ich dachte an die Gefühle, die meine Mutter empfinden würde. » Mit 58 Jahren hat er gerade eine wichtige Seite in seinem Leben aufgeschlagen, indem er sein Einbürgerungsdekret paraphiert hat. Englisch bis auf die Fingerspitzen war er gerade Deutscher geworden, ohne seine heimatliche Staatsbürgerschaft zu verlieren.
1938, gleich nach dem schrecklichen Reichspogrom, seine Mutter und der Rest seiner Familie hatten Frankfurt nach England verlassen und die britische Staatsbürgerschaft erworben. Verheiratet mit dem englischen Vater J., zog sie ihre beiden Söhne nach dem Krieg ohne den geringsten Bezug zum Judentum oder zu Deutschland auf. Und nun haben sie, wie Tausende andere britische Juden deutscher Herkunft, beschlossen, eine Bestimmung in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zu nutzen, die es Deutschen, denen die Nationalsozialisten ihre Staatsbürgerschaft entzogen hatten, und ihren Nachkommen erlaubte, sie wieder einzuführen. .
das „Wir müssen nicht tun, was wir tun“ Deutsche Beamte beziehen sich eindeutig auf diese tragische Vergangenheit. Es kann aber auch als Anspielung auf den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) verstanden werden, diesen Brexit, der durch die Übernahme der europäischen Staatsbürgerschaft aus Großbritannien von vielen als Amputation erlebt wird. „Offenbarung, dass mein Land mir tiefe Wunden zufügen könnte“, fasst J. zusammen. Der Schock war besonders für Briten deutsch-jüdischer Abstammung zu spüren, deren Geschichte dank der EU-Mitgliedschaft eine neue Bedeutung bekommen hat.
Intim und politisch
Es Erwerbskurve der deutschen Staatsbürgerschaft durch britische Bürger spiegelt das Ausmaß dieses Phänomens wider, das sehr intim ist und eine hohe politische Bedeutung hat. Vor dem Brexit auf wenige Hundert pro Jahr begrenzt, explodierten sie 2019, kurz bevor der Bruch mit der EU wirksam wurde: 14.600 in jenem Jahr. Seitdem haben jedes Jahr zwischen 4.000 und 5.000 Briten bei den Behörden in Berlin einen Pass erhalten. Das Thema ist so heikel geworden, dass es 2021 zu einer Lockerung des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts führte.
Hatte die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 jedem Deutschen das Einbürgerungsrecht zuerkannt, so schloss sie dessen Nachkommen aus, die diese Staatsangehörigkeit verloren hatten, etwa wenn ihre Mutter sie durch Heirat mit einem Ausländer verlor. , wie es einst das Bundesgesetz vorsah. Anderen wurde der Antrag verweigert, weil ihre Vorfahren aus Deutschland geflohen waren und eine andere Staatsbürgerschaft angenommen hatten, bevor ihnen 1941 die Staatsbürgerschaft offiziell entzogen wurde.
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