Lidl hat die Kronprinzessin verlassen. Das Ausscheiden des jungen Managers aus der Geschäftsführung des europäischen Wirtschaftsführers sorgte für Aufsehen

Köhlers Abgang beendet laut der Tageszeitung auch die Spekulationen um die Nachfolge von Klaus Gehring auf der Kapitänsbrücke (73). Köhler ebnete endgültig den Weg für Gehrings Stellvertreter Gerd Chrzanowski (49). Gehring, ein Manager mit mehr als 50 Jahren Erfahrung im Unternehmensimperium Schwarz, übergibt in zwei Jahren das Ruder an seinen Nachfolger.

Gehrings Erfinder

Ein kurzer, von Gehring persönlich unterschriebener Brief an den Mitarbeiter, der Köhlers Ausscheiden ankündigte, enthüllte laut deutschen Medien die persönliche Verbundenheit zwischen ihm und dem scheidenden Manager. Inhalt der Mitteilung war, dass Melanie Köhler das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen hat, um sich außerhalb der Schwarz Gruppe beruflich und persönlich weiterentwickeln zu können. Die Medien spekulierten jedoch, dass der Grund für seinen Abgang sein Konkurrenzkampf mit Chrzanowski war.

Im März 2019 wurde Gerd Chrzanowski, ein Manager, der rund 20 Jahre lang für Lidl-Fahne, Kaufland und andere Unternehmen tätig war, Vertreter von Gehring in der Konzernleitung. Mit ihm stieg Melanie Köhlerová, seine heutige Stellvertreterin, zur Vorstandsvorsitzenden der Schwarz Dienstleistungen auf.

Im vergangenen März hatte Gehring nach Anhörung seiner Geburtstagswünsche bekannt gegeben, dass er nach seinem 75. Geburtstag als Vorstandsvorsitzender der Schwarz Gruppe zurücktreten wird. Und er ernannte Gerd Chrzanowski zu seinem Nachfolger. Er begann sofort offiziell mit den Vorbereitungen, die höchste Position in der Gruppe nach den Gruppenregeln zu übernehmen.

Trotzdem spekulierten die Medien weiter, dass Gehring vielleicht im Laufe der Zeit erkannt hatte, dass er zur Seite getreten war und seine Meinung geändert haben könnte. Laut internen Quellen war Melanie Köhler die einzige Person, der Gehring zuhörte, die dem Patriarchen zeigen konnte, dass er anderer Meinung war.

Und laut einer weiteren Quelle aus dem Unternehmen ist er auch die Person, die aus dem gesamten Management des Konzerns die Digitalisierung konsequent vorangetrieben und viele Impulse gegeben hat, das Unternehmen zu modernisieren und in vielen Bereichen humaner zu gestalten.

Vor wenigen Tagen feierte Klaus Gehring jedoch einen weiteren Geburtstag und bestätigte, dass die Übergabe des Zepters an seinen Nachfolger in zwei Jahren erfolgen werde. Was an seinem Geburtstag geschah, ist nicht bekannt. Vielleicht beeinflussten mehrere Wendepunkte das Denken und die nachfolgenden Entscheidungen des jungen Managers.

Von der Zeitungszustellung in den Himmel

Melanie Köhler hat an der Dualen Hochschule Heilbronn ein Studium der technischen Betriebswirtschaft absolviert. Als Studentin verteilte sie Flyer, absolvierte Kurse für Tanzlehrer und arbeitete in Ketten mit Billigmode-Takko.

Seine erste Stelle nach dem Studium an der Hochschule Heilbronn war Vertriebsleiter bei Lidl. Kurz darauf, im Jahr 2016, bemerkte Gehring ihn. Dann beginnt die Bahn der Rakete nach oben. „Sie arbeiten sehr eng zusammen, sie haben ein harmonisches Team geschaffen“, wertete kürzlich ein deutscher Server, der auf Unternehmensführung spezialisiert ist, die Reise mit seinem Mentor und Betreuer aus.

Gehring habe Köhler zu einer wandelnden Reklame für seine Philosophie gemacht, Frauenhilfe zu verkünden, schreibt jetzt die deutsche Tageszeitung Heilbronner Stimme. Nach und nach baute er seine Position und seinen Respekt aus und übernahm später die Verantwortung für Finanzen, Kontrolle, Produktion sowie Immobilien, die für die gesamte Gruppe eine wichtige Rolle spielten. Diese Tätigkeit wurde seit 2013 sukzessive auf die zentrale Ebene verlagert und ist nun unter dem Dach von Schwarz Dienstleistungen angesiedelt, dem Dienstleistungsunternehmen für die gesamte Gruppe, das Köhlerová seit letztem März nach Chrzanowski führt. Schwarz Dienstleistungen entschied aber auch über die Strategie der gesamten Gruppe.

Darüber hinaus ist der 30-jährige Geschäftsführer auch Mitglied des Vorstandes, der über die Verwaltung des Vermögens der Familie Schwarz entscheidet.

Die Richtung der Digitalisierung und Verjüngung

Der Name von Melanie Köhler hat sich in allen Fällen geändert, vor allem im März 2019. Es war mehr als ein äußerlicher Erfolg, die Schwarz Gruppe, die mitten in grundlegende Überlegungen über die nächste Reise gesprungen ist. Die Marken Lidl und Kaufland haben sich zum Ziel gesetzt, sich stärker in Richtung Frauen, Digitalisierung und Jugend im Allgemeinen zu bewegen.

Köhler, 28, war damals das größte Eisen im Feuer. Daumen runter hingegen traf er die Nummer eins von Patrick und Kaufland, Patrick Kaudewitz und Jesper Hojer. Äußerlich treten sie unerwartet und aus persönlichen Gründen zurück. Allerdings war ihr Abgang laut deutschen Medien gezielt und es gab auch Uneinigkeit mit Gehring dahinter. Nicht verhandelbare Manager, die sehr schnell und sehr hart handeln, erfordern die genaue Erfüllung der geplanten Ergebnisse und Strategien. Interne Ressourcen verbergen nicht, dass das Ziel darin besteht, die Spitzenpositionen zu verjüngen.

Der Abgang von Köhler, einer Frauenikone, die die Digitalisierung vorantreibt und ein freundliches Gesicht baut, könnte Lidl und Kaufland einen schweren Schlag versetzen, heißt es nun in Medien.

Lidl ein Kaufland

Die Familie Schwarz begann heute 1930 im baden-württembergischen Heilbronn mit dem Aufbau ihres milliardenschweren Imperiums. Josef Schwarz, damals 27 Jahre alt, wurde Gesellschafter der Lidl & spol. Südlicher Obsthandel, aus dem bald die Lidl & Schwarz KG wurde.

1973 eröffnete sein Sohn Dieter den ersten Lidl-Discounter. Um den Namen Lidl zu führen, kaufte er ihm für tausend Mark die Rechte von einem pensionierten Lehrer und Maler Wolfgang Lidl.

1984 wurde das erste Kaufland Warenhaus eröffnet. Nach der deutschen Wiedervereinigung begann die große Expansion in die ehemalige DDR, wo Kaufland heute eine entscheidende Position im Lebensmitteleinzelhandel einnimmt. Die Tschechen – insbesondere Kladno – wurden zum ersten Standort der Auslandsexpansion von Kaufland. Dies geschah 1998. In Tschechien wechselten sich Lidl und Kaufland in den letzten Jahren auf den ersten beiden Plätzen im Ranking der größten Handelsketten ab.

Dieter Schwarz ist einer der reichsten Bürger Deutschlands. Das renommierte Forbes-Magazin platzierte ihn in diesem Jahr mit einem Privatvermögen von 36,8 Milliarden Euro auf Platz zwei der Reichen Deutschlands. Die Schwarz Gruppe ist das umsatzstärkste Handelsunternehmen Europas (insgesamt 113 Milliarden Euro im Jahr 2019, das sind rund 2,88 Billionen Kronen).

Sie beschäftigt nach eigenen Angaben 458.000 Mitarbeiter und verfügt über 12.5.000 Filialen in 33 Ländern weltweit. Zu den Bedenken zählen neben der Einzelhandelskette auch die Großbäckerei Bonback, die Schokoladenfabrik Solent und das Recyclingunternehmen PreZero.

Adelmar Fabian

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