Bis vor Kurzem hatten Kaufland- und Lidl-Kunden das Privileg, Elektroautos beim Kauf kostenlos aufzuladen. Das hat sich in den letzten Wochen geändert, Strom kostet hier Geld. Wie viel tatsächlich, wollten wir in einem redaktionellen Test herausfinden.
Vor nicht allzu langer Zeit war die Lidl-Ladestation im mittelböhmischen Horoměřice von Elektroautos umringt. Als die Redaktion von Aktuálně.cz aufgrund des Endes der angekündigten kostenlosen Gebühr ein letztes Mal hierher fuhr, lud hier auch die immergrüne Koda Citigo. Der Besitzer prahlte gegenüber dem Herausgeber damit, dass er noch nie eine öffentliche Gage bezahlt habe. Und er hatte einen einfachen Trick: Er kam um sechs Uhr morgens bei Lidl an, als die Mitarbeiter den Strom anstellten, das Geschäft aber noch eine Stunde geschlossen blieb. In zwei Jahren schaffte er es, 160.000 Kilometer mit den Diensten eines Lieferunternehmens zu fahren, ohne einen Cent für Energie zu bezahlen.
Doch die goldenen Zeiten für Sparer sind vorbei, jetzt zahlt auch Lidl. Und man merkt, bei unserem Gegenbesuch in der zweiten Novemberwoche waren beide reservierten Parkplätze leer. Gleichzeitig ist das Laden hier im Vergleich zu anderen Anbietern noch sehr günstig. Ein Stecker, der einen Wechselstrom von 5,90 CZK pro Kilowattstunde auflädt, und ein schnellerer, der nur eine Krone mehr Gleichstrom auflädt.
Aber es gibt einen Haken. Um günstig aufzuladen, klickt man sich einfach auf die Lidl-Website, wo man neben der obligatorischen Kreditkartennummer auch eine sechzehnstellige Ladepunktnummer eingeben muss. Und es steht klein gedruckt auf dem Stand, was bei schlechten Sichtverhältnissen sicher nicht leicht zu entziffern ist. Laut Anleitung lässt sich dieses unangenehme Prozedere durch einen eingescannten QR-Code ersetzen, Supermarkt-Websites bieten Nutzern diese Möglichkeit aber nicht.
Ist alles korrekt eingetragen, meldet die Anwendung, dass Lidl 760 Kronen auf dem Geldkonto sperrt, die dann nach tatsächlich verbrauchter Energie abgerechnet werden. Und das ist es. Der Weg zum günstigen Laden ist frei, wenn auch etwas steinig.
Laut Vanda Fliegerová vom Kundendienst ist sich die Lidl-Kette möglicherweise auch der Unannehmlichkeiten der Benutzer bewusst, in Zukunft sollte es einfacher sein, über die mobile App Lidl Plus mit dem Aufladen zu beginnen. Es wird im Februar oder März nächsten Jahres passieren.
Der Vollständigkeit halber sei noch hinzugefügt, dass das Ladegerät bei Lidl schon heute aktiviert werden kann. Es ist Teil eines Roaming-Netzwerks verschiedener Anbieter, die jedoch nach ihren eigenen Regeln abrechnen. Beispielsweise kostet das Aufladen über die beliebte CCS-Tankkarte 10,01 CZK beim AC-Laden oder genau zwölf Kronen beim DC-Laden. Trotz eines Antrags des deutschen Clubs ADAC, der 10,29 bzw. 12,74 Kronen pro Kilowattstunde verlangt, gelang es den Redaktionsmitgliedern, das Ladegerät zu starten.
Im Kaufland ist alles beim Alten
Obwohl Lidl und Kaufland im Besitz der deutschen Familie Schwarz sind, hat die zweite Kette von Anfang an eine andere Strategie zum Aufladen von Elektroautos gewählt. Auf seinem Parkplatz ist der Stand der EZ-Gruppe aus dem Boden geschossen, und Sie können hier nur an der langsameren Steckdose kostenlos aufladen. Dazu ist es notwendig, eine Anwendung namens Futurego herunterzuladen oder einen Ladechip beim Energieriesen anzufordern, auch zum Zeitpunkt des kostenlosen Ladens.
Aus Nutzersicht hat sich bei Kaufland nichts geändert, außer dass die Kilowattstunde im Punkt AC jetzt 5,90 CZK kostet. Das Laden mit Gleichstrom kostet laut EZ-Preisliste 13 Kronen, Kaufland hat dies aber auch in der Vergangenheit nicht bezuschusst.
Auch beim Laden im Kaufland ist günstiger Wechselstrom nur mit Hilfe einer einmaligen Anwendung oder dem Einsatz eines EZ-Chips zu erreichen. Hier berechnen Anbieter von CCS-Karten 11,50 CZK/kWh für die gleiche Leistung, Deutscher Autoclub 10,29 CZK/kWh.
Es ist ein Paradoxon, dass das schnelle DC-Laden von Kaufland am EZ-Stand nicht die billigste der drei von uns getesteten Optionen ist, unabhängig von der Anwendung des Besitzers. Besser funktioniert es mit einer deutschen Karte oder der ADAC-App, bei der Besitzer von Elektroautos 12,76 CZK pro Kilowattstunde bezahlen. Im Gegensatz dazu ist das Tanken über eine CCS-Tankkarte hier viel teurer, wo der Anbieter 17,50 CZK/kWh berechnet.
Nach den Erkenntnissen von Aktuálně.cz entziehen sich die neuen Preise, die Elektroautofahrer beim Aufladen ihres Autos jeden Tag gewohnt sind, nicht einmal Ladegeräten in der Nahrungskette. Ein redaktioneller Vergleich zeigt, dass Lidl das Schnellladen deutlich günstiger anbietet, allerdings müssen dafür bürokratische Hürden überwunden werden. Bei Kaufland zahlen Sie für das DC-Laden den gleichen Betrag wie an anderen EZ-Ständen, etwa doppelt so viel wie bei Lidl.
Das Laden mit Wechselstrom in beiden Ketten kostet die gleichen 5,90 CZK/kWh. Allerdings gilt auch hier der Preis nur für die Nutzung bestimmter Applikationen und Zugangschips, in anderen Fällen zahlt der Kunde deutlich mehr.

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