Die Schweiz blockiert Munitionsexporte in die Ukraine

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In einer Situation, in der täglich russische Raketen und Drohnen auf ukrainische Städte fallen, mag dies wie eine unverständliche Absurdität erscheinen: Die Bundesregierung hat die Ukraine mit Gepard-Flugabwehrpanzern beliefert und will diese um rund 12.000 Schuss Munition ergänzen. Aber er konnte nicht. Die Munition wird in der Schweiz produziert, die den weiteren Export unter Berufung auf ihre strikte Neutralität verweigert.

Das bedeutet nicht, dass die Schweiz der Ukraine nicht hilft. Seit Beginn der russischen Invasion haben sie über 680 Tonnen humanitäre Hilfe, fast 5.000 Tonnen Lebensmittel in das angegriffene Land geliefert und auch Brandbekämpfungs- und Trümmervernichtungsausrüstung in bombardierte ukrainische Städte geliefert. Sie halten in Bern an den Rüstungslieferungen der Schweiz fest, auch wenn ein anderes Land sie an die Ukraine liefern wird.

Die Schweizer Regierung hat sich im Frühjahr gegen den Munitionstransfer von Deutschland in die Ukraine gewehrt, und das Alpenland hat seitdem durchgehalten. Seine Haltung wurde weder durch die Bitte der Ukraine, der die Munition für die Geparden zur Neige ging, noch durch die jüngste Anfrage von Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht, die Er drehte sich um per Post an meinen Schweizer Kollegen.

Noch immer debattieren Schweizer Politiker über das Neutralitätsprinzip, das unter anderem die Wiederausfuhr von Waffen und deren Nachschub an Kriegsparteien verbietet. Die Unparteilichkeit in internationalen Streitigkeiten ist eine der Säulen der Geschichte der Schweizer Staatlichkeit, die von einem grossen Teil der Bevölkerung der Eidgenossenschaft, die nicht Mitglied der EU oder der NATO ist, identifiziert wird.

Laut einigen Schweizer Experten gibt es jedoch eine Möglichkeit, die Neutralität nicht zu verletzen und gleichzeitig legal Munition in die Ukraine zu exportieren.

Thomas Cottier, emeritierter Professor der Universität Bern und einer der angesehensten Experten für internationalen Handel, macht auf einen Abschnitt des Kriegsmaterialgesetzes aufmerksam, der es der Regierung erlaubt, die Wiederausfuhr von Waffen „unter außergewöhnlichen Umständen“ zu genehmigen.

Cottier glaubt, dass Russlands Angriff auf die Ukraine zweifellos ein außergewöhnlicher Umstand war. Und wenn die Schweiz den Export von Patronen für die Cheetah erlauben würde, wäre das im Einklang mit Schweizer Werten. „Die aktuelle Position des Bundesrates (Bundesregierung – Notizen hrsg.) ist unverständlich und nicht im Interesse der Schweiz und ihres Ansehens» angegeben Professor für den Tages-Anzeiger.

Er glaubt sogar, dass die UNO-Charta, die rechtlich als Leitfaden für die Definition der Neutralität dient, der Schweiz erlaubt, sich an der kollektiven Verteidigung gegen Russlands Angriffskrieg zu beteiligen: „Die Charta hat Vorrang vor dem alten Neutralitätsgesetz von 1907 aus der Zeit des europäischen Imperialismus, “, fügte er hinzu. Experte.

Einen flexibleren Ansatz bei der Anwendung der Neutralität, der die aktuelle internationale politische Lage stärker berücksichtigen würde, forderte der amtierende Schweizer Bundespräsident und gleichzeitig Aussenminister der liberalen FDP-Partei Ignazio Cassis. Er war vor zwei Wochen in Kiew, wo er seinen Kollegen Wolodymyr Selenskyj traf, und unterstützte laut einigen Schweizer Kritikern zu offen die Ukraine als Kriegspartei.

Viele andere Schweizer Politiker sind vorsichtiger. Manche erlauben den Export von Munition für den Cheetah, knüpfen dies aber beispielsweise an die Ausrufung des Ausnahmezustands.

„Der Bundesrat sollte Versetzungen per Notstandsgesetz zulassen. Alles hilft nicht“, sagte Elisabeth Schneiderová-Schneiterová von der aussenpolitisch orientierten Zentrumspartei.

Sie reagierte auch auf die Stimmen von Politikern aus Deutschland, die mit einem Ende der Waffenkäufe drohten, falls die Schweiz nicht einlenke. Gleichzeitig war Deutschland der grösste Abnehmer von Schweizer Waffen.

„Im Moment müssen wir Szenarien für die Landesverteidigung und Bündnisse vorbereiten. Für dieses Szenario benötigen wir einen Vorrat an Waffen und Munition. Wenn die Schweiz sie an die Ukraine und an uns ablehnt, können wir aus Sicherheitsgründen nichts mehr mitnehmen», sagte etwa der Bundestagsabgeordnete Marcus Faber von der FDP-Bundestagsfraktion.

Schweizer Neutralitätsgrenzen

Der Krieg in der Ukraine zwang die Schweizer dazu, ihr Konzept der Neutralität zu überdenken. Ihre Sturheit kann dem Ruf schaden, den sie aufgebaut haben. Wir behandeln dieses Thema hier:

Diese und weitere Äußerungen deutscher Politiker haben in der Schweiz für Empörung gesorgt. So stellte etwa der Vorsitzende der Stärksten Volkspartei (SVP), Marco Chiesa, die Frage, seit wann baue die Schweizer Aussenpolitik auf Deutschland. „Es läuft nie gut, wenn sich Deutschland in die Politik anderer Länder einmischt“, sagte der Politiker, dessen Partei traditionell ein striktes Neutralitätsverständnis pflegt.

Die Boulevardzeitungen blinken er warnte, damit die exportierten Waren nicht in anderen Ländern landen. Er erinnerte an Berichte von Kriminalexperten aus Finnland und anderen Ländern über den Fund von Waffen, die ursprünglich für die Ukraine bestimmt waren.

Der Abgeordnete Martin Landolt von der Zentrumspartei stellte fest, dass ein Missbrauch der Schweizer Waffenlieferungen nicht vollständig ausgeschlossen werden könne. „Bei Panzermunition erscheinen mir solche Risiken jedoch flüchtig“, sagte der Politiker, der in der Vergangenheit maßgeblich an der Verschärfung der erwähnten Kriegsmaterialgesetze beteiligt war, nun aber Munitionsexporte in die Ukraine unterstützt.

Reinhilde Otto

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