Winterdüfte: Diese Parfums wärmen uns diesen Winter

Von cremig bis rauchig: fünf Kompositionen mit genug Substanz für die kalte Jahreszeit

Im Winter verändert sich, was ein Duft leisten muss. Kalte Luft trägt flüchtige Noten schlecht, Wolle und Mäntel schlucken alles Leichte, und Innenräume sind geschlossen und überheizt. Gefragt sind deshalb Kompositionen mit Substanz: Harze, Leder, Vanille, dunkle Hölzer, höhere Konzentrationen. Die folgenden fünf Düfte lösen diese Aufgabe auf denkbar verschiedene Weise, vom cremigen Gourmand bis zum rauchigen Extrait, der einen Raum stundenlang markiert. Was sie verbindet, ist allein die Fähigkeit, gegen Kälte anzukommen, ohne dabei beliebig zu werden. Die Auswahl reicht bewusst von leicht zugänglich bis ausgesprochen fordernd.

1. Giardini di Toscana Bianco Latte

Bianco Latte des florentinischen Hauses Giardini di Toscana öffnet mit Karamell, führt über Honig und Cumarin und endet auf Vanille und weißen Moschusnoten. Die Marke selbst beschreibt die Komposition über Vanille, Milch und Honig. Als Gourmand-Duft ist Bianco Latte damit unkompliziert im besten Sinne: cremig, warm, ohne Ecken und ohne Erklärungsbedarf. Auf der Haut wirkt Bianco Latte eher wie eine zweite Schicht Kleidung als wie ein Statement, und genau das macht ihn im Januar brauchbar. Wer Gourmands sonst zu aufdringlich findet, sollte hier trotzdem einen Versuch wagen.

2. Amouage Interlude Man

Interlude Man erschien 2012, komponiert von Pierre Negrin für das omanische Haus Amouage. Bergamotte, Oregano und Pimentbeerenöl eröffnen, im Herzen stehen Amber, Weihrauch, Cistus und Opoponax, die Basis trägt Leder, Agarholzrauch, Patschuli und Sandelholz. Die Kombination aus Kräutern und Harzen wirkt im ersten Moment widersprüchlich und findet erst nach einer halben Stunde zusammen. Das Haus gibt 29 Prozent Duftölanteil an, dazu sechs Wochen Reifung. Innerhalb der Kategorie Arabisch Duft gehört er zu den bekanntesten Vertretern. Kein Duft für kurze Distanz, sondern einer für ganze Abende.

3. Nasomatto Black Afgano

Black Afgano kam 2009 nach sechs Jahren Entwicklung auf den Markt, ebenfalls ein Extrait von Alessandro Gualtieri. Das Haus nennt als Ziel, die beste Qualität von Haschisch zu evozieren, und veröffentlicht wie üblich keine Duftpyramide. Genannt werden ein grüner Cannabis-Akkord, Harze, Hölzer, Tabak und Kaffee sowie Oud und Weihrauch in der Tiefe. Selbst der Verschluss besteht aus verbranntem Eichenholz, passend zum Thema. Ein Sprühstoß genügt, zwei sind bereits eine Ansage. Für Einsteiger ist das nichts, für kalte Nächte dafür umso mehr.

4. Marc-Antoine Barrois Ganymede

Ganymede erschien 2019, komponiert von Quentin Bisch für den Pariser Couturier Marc-Antoine Barrois. Safran und italienische Mandarine eröffnen, Osmanthus, Immortelle und Veilchenblatt bilden das Herz, in der Basis stehen mineralische Noten, Wildleder, Akigalawood, Moschus, Zeder und Patschuli. Das Ergebnis ist ein helles, fast metallisch wirkendes Leder, das im Winter funktioniert, ohne schwer zu sein. Die Alternative für alle, denen Harz und Rauch zu viel sind. Auch tagsüber und im Büro problemlos tragbar.

5. Tom Ford Tuscan Leather

Der Klassiker der Private-Blend-Linie von 2007. Himbeere, Safran und Thymian eröffnen, Olibanum und nachtblühender Jasmin folgen, die Basis besteht aus Leder, schwarzem Wildleder, Hölzern und Amber. Die Himbeere ist der eigentliche Trick der Komposition: Sie nimmt dem Leder die Härte, ohne es süß zu machen. Kein Duft für das Büro, aber einer für Abende, an denen es draußen wirklich kalt ist. Zwei Sprühstöße halten den ganzen Abend durch.

Diese fünf Positionen zeigen, dass Wärme im Parfum nicht dasselbe ist wie Schwere. Ein cremiger Gourmand kann genauso gegen Januarluft bestehen wie ein Extrait aus Harz und Oud, nur eben auf kürzere Distanz. Die Entscheidung hängt weniger von der Temperatur ab als davon, wie viel Raum man einnehmen möchte.

Adelmar Fabian

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