Sie können den Artikel auch als Audioversion anhören.
Sie sehen fast genau so aus, wie ihre Leser es gewohnt sind – die gleiche Schriftart, das gleiche Logo, die gleiche Struktur, der Nachrichtenbereich und die Anzeigen. Aber der Inhalt unterscheidet sich stark vom Original: Sie sind voll von Fehlinformationen, gefälschten Nachrichten und russischer Propaganda.
Kopie der Nachrichtenseite
Die Rede ist von Klonen anderer deutscher und westeuropäischer Newsserver. Dies sind Kopien der großen deutschen Medienseiten wie Der Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt oder die Boulevardzeitung Bild und viele andere.
Unter den gefälschten Artikeln auf gefälschten Websites geht es beispielsweise um einen Teenager, der in Berlin einen Fahrradunfall hatte und an Blutungen starb. Er habe angeblich die Schlaglöcher auf der Straße übersehen, die durch die Sparmaßnahmen und damit die deutschen Sanktionen gegen Russland verdunkelt worden seien.
Der Berliner Polizei war der Unfall jedoch nicht bekannt, außerdem wurden die Lichter in der Stadt nachts nicht ausgeschaltet, was die Fake-News von ZDF heute widerlegt.
So sparen Sie Geld in Deutschland
Reaktivere Besucher deutscher Städte werden möglicherweise einige Änderungen seit Anfang September bemerken. Denkmäler bleiben nachts unbeleuchtet, Neonreklamen dürfen nicht auf den Straßen leuchten und Touristen werden in den Herbsttagen in Hotels oder Mietwohnungen nicht überhitzen.
Ein weiteres künstlich verschleiertes Gerücht betrifft Ukrainer, die mit Geldern europäischer Hilfe Wohnungen in Russland kaufen. Oder eine Gasexplosion an einer Schule in Bremen, wo der Text Sparmaßnahmen verantwortlich macht.
Ein weiterer Artikel – getarnt als Text seriöser Medien – schrieb ebenfalls über die Vorbereitungen der Bundesregierung zur „blutigen Niederschlagung“ der geplanten Herbstproteste.
Verbreitungssystem für gefälschte Nachrichten
Die Hauptbotschaft des Berichts lautet: Wenn Deutschland Putin den Krieg in der Ukraine führen lässt, „wird alles besser“.
Die Existenz eines ganzen Systems von Fake-News-Websites wurde von einem Journalisten von einem deutschen Server aufgedeckt T Online Lars Wienand. Sogar seine Website wurde Opfer von „Kopieren“.
Seit Wochen werden solche gefälschten Videos bekannter Medienmarken bereicht.
Eine große Kampagne zur prorussischen Stimmungsmache. Auch Artikel werden gefälscht.
Später mehr. Ich brauche mal das Hashtag #Netflixfrauen. pic.twitter.com/T9faPGsdBC
— Lars Wienand (@LarsWienand) 29. August 2022
„Wir haben das am 26. August gesehen und sofort den Betreiber in den Niederlanden angeschrieben. Am 29. August verschwand diese Seite aus dem Internet. Aber er tauchte bald wieder auf, diesmal in Kolumbien“, zitierte der Server den Autor Deutsche Welle. Auch diese Adresse wurde schließlich deaktiviert.
Julia Smirnova, Expertin am Londoner Think Tank Institute for Strategic Dialogue (ISD), der an der Erforschung der Verbreitung von Desinformationen beteiligt ist, sprach von einem „beispiellosen Versuch, die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen“.
Ihm zufolge zielt die Kampagne auch darauf ab, ernsthaftes Misstrauen gegenüber den etablierten Medien zu schaffen.
Dieses Thema beschäftigt nicht nur die deutschen Medien. „Fälschungen“ der britischen Daily Mail oder der italienischen Agentur ANSA und der französischen Website 20 Minutes sind aufgetaucht.
Wie funktioniert das System?
Der Journalist Lars Wienand entlarvt in seinem Text das gesamte Netz der Verbreitung des russischen Narrativs. Er fand ein neu erstelltes Profil in einem sozialen Netzwerk, das gefälschte Website-Inhalte verbreitete.
Die Fake-Profile haben eines gemeinsam: Odettas Vornamen, das entstandene Foto und einen Job bei Netflix. Sie fügten in Kommentare zu anderen Beiträgen des Medienhauses Links zu scheinbar seriösen Medien in sozialen Netzwerken ein. Meistens in den Nachrichten über hohe Energiepreise, Flüchtlinge aus dem Ukrainekrieg oder die russische Invasion in der Ukraine.
Wie sieht es auf der Vorderseite aus?
Nach vorliegenden Informationen scheint die Schlacht bei Cherson auf Seiten Kiews ausgetragen worden zu sein. Lesen Sie über die neuesten Entwicklungen an der Südfront der Ukraine:
Die Links erscheinen aber auch in Kommentaren auf Websites von Bundesbehörden, der amerikanischen Botschaft in Deutschland oder der rechtsextremen Partei AfD.
Es zielt auch auf große Unternehmensseiten wie Vodafone oder Mercedes ab, deren Beiträge im Netzwerk den Nutzern auch als bezahlte Werbung angezeigt werden. Es gab auch Kommentare, die den Inhalt des Links billigten, aber nach den Ermittlungen von T-Online stammten diese auch von zuvor erstellten gefälschten Konten.
Die Kampagne läuft laut Wienand seit Wochen in deutschen Kreisen und umfasst hunderte Profile und tausende Posts. Der genaue Umfang kann nicht ermittelt werden, da Profiladministratoren in sozialen Netzwerken häufig ähnliche Beiträge löschen.
Die Firma Meta, in die Facebook gestürzt ist, untersucht den Fall und entfernt gefälschte Konten. Wer hinter der Aktion steckt, hat er nicht gesagt.
Russische Spur?
„Die Ausführung und der thematische Fokus ähneln früheren Desinformationsversuchen von Pro-Kreml-Spielern“, glaubt Smirnova von ISD. Seine Denkfabrik führte eine solche Operation wegen der Einführung von EU-Sanktionen gegen Russland durch. In der Union versuchen sie, die Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, dass russische Staatsmedien Kreml-Propaganda verbreiten.
Russische Spuren werden auch durch Fehler in der deutschen Sprache oder höchstwahrscheinlich versehentlich vergessene Wörter im Alphabet oder das Vorhandensein von russischsprachigen Originalartikeln angezeigt.
Die Kampagne ist außerordentlich umfangreich, selbst nach Ansicht der britischen Non-Profit-Organisation Reset, die versucht, Technologieunternehmen zu regulieren. „Die Verbreitung von Websites und die Verbreitung von Fake News und Propaganda durch scheinbar seriöse Medien, deren Marken missbraucht werden, hat es in Deutschland noch nie in einem solchen Ausmaß gegeben“, zitierte die Deutsche Welle Felix Kartte.
Laut öffentlich-rechtlichen Radioexperten WDR Für das digitale Umfeld von Jörg Schieb sollte man immer prüfen, von welcher Internetadresse man Nachrichten liest. „Fake-Nachrichten sind in der Regel Adressen, die etablierten Medien ähneln, aber nicht identisch sind“, warnt er. Bild.de kann beispielsweise Bild.asia oder Bild.pics sein.

„Analyst. Gamer. Freundlicher Entdecker. Unheilbarer Fernsehliebhaber. Twitter-Liebhaber. Social-Media-Wissenschaftler. Amateur-Web-Freak. Stolzer Zombie-Guru.“
